Soviel passiert, seit der Gedanke an einen anderen Ort aufkam. Eigentlich möchte ich hier doch gar nicht weg, erst recht nicht in die Schweiz. Ich hoffe, die Dinge entwickeln sich in eine Richtung, dass das nicht nötig wird. Winterpendeln wäre für mich eigentlich schon zuviel.
Bevor ich im Alter von 54 Jahren auswanderte, kam mir oft der Gedanke ans Sterben und wieviel Zeit mir wohl noch bleibt. Sollte ich nicht wenigstens auf ein glückliches Leben zurückblicken, wenn ich hier auf dieser Erde schon mehr oder weniger unnütz die Umwelt verpeste, bis es soweit ist? Beim Rückblick auf mein bisheriges Leben fand ich, dass es das nicht gewesen sein kann. Auch wenn ich in jungen Jahren sehr intensiv lebte, war mit 37 praktisch Schluss. Ab dann lebte ich das Leben einer Grossmutter. Vor der Diagnose lag ich 1.5 Jahre praktisch nur im Bett. Nach der Therapie lag zumindest eine halbwegs vernünftige Selbstversorgung drin - an guten Tagen sogar kleine Ausflüge, die allerdings nicht planbar waren. Wegen der Unplanbarkeit fanden die Ausflüge dann meistens alleine statt. Ich wurde immer einsamer. Ich habe immer noch ein Chronisches Müdigkeitssyndrom, ausgelöst durch eine Borreliose, die Jahre nicht diagnostiziert wurde. Wer nicht am eigenen Körper erfährt, was das bedeutet, wird es nie verstehen können. Man ist nicht einfach nur ein bisschen müde. Man ist ständig in allen Systemen (physisch, psychisch, kognitiv) erschöpft und am Limit. Alles, jeder Handgriff ist ein Kampf. Als ich erkannte und akzeptierte, dass es keine Behandlung gibt und der einzige Weg zur Lebensqualität über den Umgang mit der Krankheit führt, ging es aufwärts. Ich orientierte mich daran, was ich noch kann, nicht daran, was nicht mehr geht. Was brauchte ich? Hilfe bei der Hausarbeit, Licht, Sonne, frische Luft an der Wärme, ein Minimum an Bewegung ausserhalb der Wohnung und Horizont am Wasser wäre schön. Diese Anforderungen führten mich schlussendlich nach Thailand. Ich kann mir hier die Haushalthilfe leisten. Das macht Power frei für tägliche Ausflüge ans Meer, wenn auch nur kurz. Manchmal liegt auch Bewegung im Pool drin. Tut mir am besten. In der Schweiz krieg ich mit meiner Diagnose keine Haushalthilfe bezahlt und auf private Kosten kann ich mir das nicht leisten. Ich bin dort ständig mit dem Minimum an halbwegs vernünftiger Selbstversorgung beschäftigt, komme mir vor wie im Hamsterrad, ohne jemals durchatmen zu können - 7 Tage die Woche. Je nachdem, wo ich in der Schweiz gerade wohnte, habe ich oft tagelang keinen Menschen angetroffen, um auch nur guten Morgen zu sagen. In Lauerz war es schön. Das war eine kleine Hausgemeinschaft, wo man sich auch begegnete und die Vermieter behandelten mich wie eine Tochter. Sie haben nicht immer verstanden, wie und warum es mir so geht, aber sie haben mich nicht verurteilt.
Also kommt hiermit meine Bestellung ans Universum: Lass mich so lange wie möglich in Thailand. Und ihr drückt mir schön die Daumen, dass das auch klappt.
Danke, dass ich alles so lösen konnte. Ich glaube viel mehr lässt sich nicht rausholen. Ich bin mir durchaus bewusst, dass es Menschen gibt, die wesentlich mehr zu kämpfen haben mit weniger Möglichkeiten.
Was dazwischen geschah:
viewtopic.php?f=17&t=6191
PS. Bin nun den 4. Tag glückliche Nichtraucherin. Die haben mich drei Tage an einen Katheter gefesselt, wo ich nicht raus konnte - nicht mal aufs Klo, ohne der Schwester zu klingeln. Seit gestern bin ich wieder frei. Nikotin ist entzogen. Der Rest ist nur noch Gewohnheit (nach dem Essen, beim Konzentrieren, etc.) Das schaff ich mit links. So leicht wird es nie wieder werden. Es ist mein dritter Rauchstopp. Ich weiss wo die Falle lauert. Es ist wie beim Alkoholiker. Eine einzige Zigarette und ich bin wieder voll drin. Deshalb habe ich mein Hirn schonmal programmiert. Es gibt nie wieder eine Zigarette. Nicht in 2 Tagen, nicht in 3 Monaten und nicht in 10 Jahren. Drecksdroge.
Man kann es nicht allen recht machen. Drum mach ich es wenigstens mir recht.