Bamboo — Bambus : Teil 3

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Will
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Bamboo — Bambus : Teil 3

#1

Beitrag von Will » Mo 2. Sep 2019, 21:55

Wen es interessiert, mehr zu lesen über meine Thailand-Erfahrungen, findet Unterhaltung in „bamboo Bambus, mon amour“, Bamboo - Bambus : Teil 2 und „Paradiesgarten im Nordwesten“ oder „Knallhartes zum Lächeln“.



Morgen werde ich im Flugzeug sitzen nach BKK und ich frage mich: werde ich den Wandel schaffen, weg vom Verliebten und hin zum Vater und Ehemann einer jungen Singlethaimutter, die ihren Businessjob aufgegeben hat für unser gemeinsames Familienleben mit ihrem Mädchen, das bis vor 5 Monaten bei den Grosseltern in einem Dorf gelebt hat. Mit 66 Jahren Vater werden für ein 6jähriges Thaimädchen, hat das Zweck, hat das Sinn ?

Ich bin offen, weil ich selbst einer engen, sozial entwurzelten Elternschaft entstamme und weiss Gott weiss, was das bedeutet, in Verklemmung und Vernachlässigung aufgewachsen zu sein, ich kenne das Fremdsein unter eigenen, und nun — Ehemann einer jungen Mutter zu werden, die sich zeitlebens selber durchgeboxt hat, mit 14 nach BKK aufbrach, um zu überleben — wir lachen oft darüber, wie sie im harten Überlebenskampf und ich im Schlafwagen das Leben erlebt haben — es ist mir fast, als hätte ich nun in der Restlaufzeit meines Lebens auch noch ein rechtes Bündel Lebensaufgabe gepackt — eine junge Frau und ein kleines aufgewecktes Mädchen, was habe ich mir da eingebrockt, nichts da mit hübschen Bargirls und Bierseligkeit — nein, das ist ist ja ein riesiges Nachleben nach einem Schlummerleben in der Schweizer Normalzeit, jetzt, als alter Mann, scheint mich Beschwerlichkeit einzuholen, ja, und verwunderlich genug, mich reizt das !

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Michaleo
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Re: Bamboo — Bambus : Teil 3

#2

Beitrag von Michaleo » Di 3. Sep 2019, 02:05

Will hat geschrieben:
Mo 2. Sep 2019, 21:55
ja, und verwunderlich genug, mich reizt das !
Mich verwundert das gar nicht.

Wenn ich an mein Leben zurückdenke und überlege, was war die schönste Zeit? Kommt wie aus der Pistole geschossen: jene als Senn auf der Alp und dann sofort jene als aktiver Vater mit den Kindern - alle vier. Meine Kinder waren immer der wichtigste Teil der Sinngebung meines Lebens, alles andere war für mich nur Beilage.


Sanukshg
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Re: Bamboo — Bambus : Teil 3

#3

Beitrag von Sanukshg » Di 3. Sep 2019, 03:29

Michaleo hat geschrieben:
Di 3. Sep 2019, 02:05
und dann sofort jene als aktiver Vater mit den Kindern - alle vier. Meine Kinder waren immer der wichtigste Teil der Sinngebung meines Lebens, alles andere war für mich nur Beilage.
So ist es bei mir auch früher als ich noch Single war kam ICH und dann wieder ICH aber seit dem ich verheiratet bin und Kinder habe kam an erster Stelle nicht mehr ich sondern die Familie und da auch gab es Unterschiede meine Frau hat öfters gesagt ja ich komme als letztes was natürlich nicht stimmte denn der letzte war ich dann Sie und an Erster Stelle die Kinder heute sind die Kinder groß jetzt kommt wieder meine Frau an erster Stelle dann ich und dann die Kinder, obwohl falls uns die Kinder bräuchten warum auch immer würde ich die Reihenfolge wieder ändern.
Gruß aus Pluak Daeng
Ernst

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Will
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Re: Bamboo — Bambus : Teil 3

#4

Beitrag von Will » Fr 6. Sep 2019, 00:55

Ich sitze wieder im schwarzen Morgen im Haus bei Mae Hong Son im Norwesten am Dschungelrand im Grenzgebiet zu Burma und bin etwas aus den Wolken gerissen, keine Milch da für den Kaffee, nur grässlich süsser Instantkaffee, geht zur Not auch ....

Die Reise verlief ruhig und komfortabel, Nachferienzeit ohne Terror grosser und kleiner Fluggäste, der Flieger halb leer, lag über 3 Sitze hinweg ausgestreckt im Dämmermodus; Transfer in BKK locker, in Chiang Mai kommt sogar der Koffer auf dem Förderband daher, und Niwgoy steht bereits da, ihren husband abzuholen. Sie riecht noch gleich und ich darf zusteigen ins Auto, und auch bald im Hotel ins kuschelige Doppelbett. Ankommen, loslassen, 5 Monate Solohaft nehmen ein lustvolles Ende.

Am Nachmittag zum Gitarrenshop und ein leidlich klingendes Ding erworben, am Abend ein Willkommensessen mit köstlichen Sünden: Tabak und Singh !
Und jedesmal danach der obligate, leidige Entzug !
Gestern auf der Rückfahrt noch ein Dutzend Cannas Indica und ein paar Strelitzien im Kofferraum um den Koffer herum festgemacht und einmal mehr über Pai nach Maehongson über die 7 Berge gekurvt. Die Strasse über Mae Sariang ist gesperrt wegen Schlammerdrutschen und auch sehr nahe von uns sind 2 Anwohner in einem Murgang ums Leben gekommen. Zur Sicherheit ist Niwgoy einen Tag früher aufgebrochen, um nach Chian Mai durchzukommen.

Michelle hat ihren piei piei wieder, soll Papa heissen, sie lernt in der Schule ein hässliches Revolverenglisch, hingespucktes, krächzendes, undeutliches Gegacker, grauenhaft — mit so einem Sprachgebräu ist sie kaum euroenglischtauglich ....
Eine Zumutung, an einer Privatschule solche untauglichen Sprachlehrer anzustellen, um den Kindern einen sauberen Sprachaufbau zu verderben.

Das Haus selbst gleicht einem unaufgeräumten Kinderspielzimmer, bin durchaus etwas schockiert, mag aber nicht gleich den Ordnungpolizisten auspacken, habe deshalb mich erst einmal entschlossen, mich vorerst im 2. Haus einzurichten, um dadurch durch die Blume zu sagen, dass mir diese Unordnung nicht so gefällt. Ich liebe Turnhallen, das heisst viel Raum und wenig Dinge darin. Dort im Bungalow kann ich meinen eigenen Raumstandard setzen und mal etwas abwarten, ob Niwgoy daraus Konsequenzen zieht und das Chaos etwas reduziert.

Aber der richtig grosse Schocker war der Zustand von Bambooland: alle meine Trampelpfade sind zugewachsen, unpassierbar und dies vorwiegend mit brombeerartigem meterlangem, dornig rankendem Gestrüpp. Werde ich den Widerstand gegen die chemische Kriegsführung bald aufgeben müssen ? Oder in der Wintertrockenzeit die Felder und Buschhänge abbrennen müssen? Das „Unkraut“ explodiert hier förmlich, selbst der Fahrweg ist zu einem brusthohen grünen Bollwerk zugewachsen mit schmalem Spalt für den Durchgang zu Fuss, ich kann das kaum glauben, alle meine Trampelpfade im Gelände sind verschwunden unter und hinter üppigstem Gestrüpp. Das wird noch einiges zum Nachdenken geben, aussichtslose Kämpfe mag ich nicht .....

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Re: Bamboo — Bambus : Teil 3

#5

Beitrag von Willi Wacker » Fr 6. Sep 2019, 06:41

... Ich liebe es dir zu zuhören :)
...ja, im Kopfkino..da ist alles anders
sei schlau... stell dich doof
;-)


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Re: Bamboo — Bambus : Teil 3

#6

Beitrag von Sanukshg » Fr 6. Sep 2019, 07:07

Ja Will wie heißt es so schön ist die Katze aus dem Haus tanzen die Mäuse auf dem Tisch,frage sie wussten ja wann du kommst da waren meine wohl Cleverer da hat man immer oder fast immer 1-2 Tage vorher angefangen aufzuräumen weil die Langnase da so pingelig ist. :D
Gruß aus Pluak Daeng
Ernst


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Re: Bamboo — Bambus : Teil 3

#7

Beitrag von Fredfeuerstein » Fr 6. Sep 2019, 07:10

Das meterlang wachsende, dornige Gestrüpp sind vermutlich Mimosen. Damit habe ich hier auch zu kämpfen.

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Re: Bamboo — Bambus : Teil 3

#8

Beitrag von ZH-thai-fun » Fr 6. Sep 2019, 12:13

Will hat geschrieben:
Fr 6. Sep 2019, 00:55
Das wird noch einiges zum Nachdenken geben, aussichtslose Kämpfe mag ich nicht .....
Also wieder "mitten drin im Sinn des Lebens" und keine Zeit mehr über den Sinn des Lebens nachzudenken ... ;-) Willkommen zu Hause!
... der werfe den ersten Steintisch!


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Re: Bamboo — Bambus : Teil 3

#9

Beitrag von Fredfeuerstein » Fr 6. Sep 2019, 12:35

Wahre Weltenbürger sind überall zu Hause.

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Re: Bamboo — Bambus : Teil 3

#10

Beitrag von Will » Fr 6. Sep 2019, 23:09

Ja, ich bin wieder da im Nordwesten und freue mich, Euch wieder etwas zu berichten aus der Überwinterungszeit eines bejahrten Grünschnabels im Trockenmonsunteakregenwaldes in Thailand, zumindest in Resten davon.

Aber nach dem ersten Schock darüber, wie unbändig die Natur hier in der Regenzeit meine ordnungssuchenden Gartenspleene wuchtig überwachsen hat, gibt es auch überraschend Erfreuliches zu berichten:

Einige der abgemoosten Limettenäste sind erfolgreich angewachsen und armdicke Papayastämme überragen mich an Stellen ums Haus, wo ich keine selbst aufgepäppelten Setzlinge „vorgehabt“ hatte.

(Sowieso: die Rivalität zwischen meinen liebevoll aufgepäppelten Setzlingen und Niwgoys ins wahre Leben hinaus ausgeworfenen Kernen und Samen wurde von der Natur zugunsten von Niwgoys Strategie entschieden : kein Kindergarten für gehätschelte Pflanzen, die in der wilden Natur kümmerlich eingehen — nein, umgekehrt : die Samen üppig ausstreuen, dem Leben aussetzen und was glücklich anwächst — dem da erst dann allenfalls Dünger zugeben)

Ein weiteres Beispiel : unser erster Moringagartenversuch

Wir hatten aufgepäppelte Moringas in Reih und Glied gestellt zwischen Haus und Waldrand, so ca. 2 Dutzend. Nach 2 Monaten Kümmernis waren noch eine Handvoll am Leben, habe diese notversetzt und als ich von der Einfahrt her vorgestern die scheuen Triebe erblickte, war ich fast glücklich, die stärksten waren knapp über einen Meter hoch. Gestern ging ich zum Leichenfriedhof der verstorben Moringakinder vom letzten Winteraufenthalt — mich traf fast der Schlag, da reckten sich zwei kraftvolle Moringas aus dem kargen Dreck empor. Die totgeglaubten Ruten haben im Boden die Dürre und den Termitenfrass oder weiss was sonst überlebt und schauten mir auf Augenhöhe ins Gesicht um nicht zu sagen auf mich hinunter. Blühendes geht hier ein ruckzuck und Totgeglaubtes schiesst neu empor — das muss so ein wohltemperierter Falang wie ich einer bin zuerst mal begreifen.

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