Farang-Guetzli in Pattaya

Re: Farang-Guetzli in Pattaya

Beitragvon Bruninho » Sa 28. Apr 2018, 13:13

... und knochentrocken ist er auch!

Wir hatten bislang noch keinen Tropfen Regen, in den bisherigen 28 April-Tagen.

Aktuell: bewölkt, 22.7 Grad

B-)
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Re: Farang-Guetzli in Pattaya

Beitragvon mungg » Mo 21. Mai 2018, 08:26

Abschliessend hier noch die Zusammenfassung meiner Eindrücke und Erfahrungen. Wer glaubt, Lösungen für meine Herausforderungen zu haben, bedenke, dass ich behindert bin. Es bedeutet, dass ich körperlich kaum belastbar bin. Ich kann mich zwar selbst versorgen, aber die damit zusammenhängenden Arbeiten stehlen mir pro Woche vier bis fünf Tage meiner beschränkten Lebenszeit. Ich kann mich zwar ohne Rollstuhl fortbewegen, bekomme aber nach 100 bis 200 Metern abartige Schmerzen in Beinen und Füssen. Therapie: keine verfügbar. Ich fände es fair, wenn jemand sich meine Schuhe anzieht (oder es wenigstens versucht), bevor er "gutgemeinte" Tips abgibt. Meine Erfahrungen sind nicht auf ganz Thailand anwendbar. Ich war bis auf wenige Tage die ganze Zeit in Pattaya Jomtien.

Ich durfte in diesem und anderen Foren/Blogs von vielen nützlichen Erfahrungen lesen. Ich hoffe, jemand kann aus meinem Bericht die ein oder andere Erfahrung für sich brauchen. Was unbrauchbar ist, lass einfach hier. Es würde mich freuen, wenn insbesondere andere Behinderte einen Nutzen hätten.

Visum/Aufenthaltsgenehmigung für 6 Monate
Siehe dazu diesen Thread:
viewtopic.php?f=76&t=3560

Unterkunft buchen
Wegen meiner Behinderung und weil ich allein reiste, traute ich mich nicht, nur für die ersten Tage was zu reservieren und dann erst vor Ort für den Rest der Zeit zu buchen. Ich war mir einfach nicht sicher, ob ich Mitte November noch etwas für mich Geeignetes zu einem bezahlbaren Preis bekomme. Alle paar Tage umziehen, bis ich was Vernünftiges gefunden habe, ist bei mir nicht drin. So habe ich die ersten vier Monate über air bnb gebucht. Zum Glück ging das gut. Darauf darf man sich nicht blindlings verlassen (Bewertungen lesen!). Ich musste allerding bei meinem Kurztrip nach Koh Chang die Erfahrung machen, dass man die Geräusch- und/oder Geruchskulisse auf den Bildern nicht sehen kann und es dann eher ungemütlich werden kann. Ein teures Hotel für Longstay ist aber nicht nötig, um sich sicher und wohl zu fühlen.

Koffer packen
Ich hatte zuviel warme Klamotten eingepackt, weil die Klimadiagramme für Dezember und Januar Minimaltemperaturen von 20 Grad zeigten. Ich weiss aus Erfahrung, dass ich bei 20 Grad jämmerlich friere, wenn der Wind bläst. Es war nie 20 Grad "kalt". Im Dezember und Januar gab es zweimal ein paar Tage, in denen es morgens "etwas frisch" war, wo ich lange Hosen und eine leichte Jacke brauchte. Im Verlauf des Tages wurde es aber so warm, dass man wieder kurzärmlig und -beinig rumhängen konnte. So hätten die warmen Klamotten, die ich auf der Reise trug, vollends gereicht. Sollte mit einem Kleidungsstück ein "Unfall" passieren, gibt es überall Wäschereien und Selbstbedienungs-Waschmaschinen. Ausserdem gibt es Ateliers, die Kleider flicken. Kleider kaufen war für mich eher schwierig als Frau mit grosser Grösse.

Anstelle der warmen Kleider, hätte ich besser meine eigenen Pflegeprodukte und Kosmetika eingepackt. Ich reagiere empfindlich mit Atemproblemen auf Düfte/Parfums. Auf fast alle Haarshampoos reagiere ich mit Kopfhautjucken. Bei einigen Kosmetika brennen mir die Augen, wenn sie in deren Nähe angewendet werden. In den Läden hatte ich grosse Probleme, etwas Geeignetes zu finden. Ich kann kein Thai und meine Englischkenntnisse sind nur rudimentär. Mitarbeiter in den Läden musst du nicht fragen. Sie verstehen in der Regel kein Englisch. So kaufte ich dann das Dusch und Shampoo im Naturkosmetikladen. Für das Dusch hat sie mir umgerechnet 12 Franken abgenommen.

Bei den Medikamenten hätte ich weniger einpacken können. Die meisten Medikamente hätte ich in Pattaya sehr viel günstiger bekommen. Das Ganze ohne Rezept. Allerdings sollte man sich damit etwas auskennen (Wirkstoffbezeichnung statt Name des Medikaments/Dosierung etc.), damit man nicht das Falsche in die Hand gedrückt bekommt, vor allem wenn man sprachlich nicht so auf der Höhe ist wie ich.

Flug
Ich flog Economy. Auf dem Hinweg reservierte ich einen Fensterplatz, weil man mit dem Kopf schön anlehnen kann. Hätte ich besser nicht getan. Es war ein Nachtflug und deshalb alle vorderen Sitze nach hinten geneigt. Ich hatte grösste Mühe meinen Speckbauch unter den Sitzen durch auf den Gang zu hieven, wenn mich meine Blase plagte, was sie dauernd tat. :-s Unter Umständen ist es also besser, wenn man Gangway sitzt, auch wenn das unbequemer ist.

Der Rückflug war ein Horror für mich, der nicht enden wollte. Ich hätte mich am liebsten auf den Boden gelegt. Muskelschmerzen am ganzen Körper (Ursache Klimaanlage?), besonders der Rücken. Stützstrümpfe, die schmerzhaft ins Fleisch schnitten. Ich war kurz vor dem Durchdrehen. Es war so schlimm, dass ich den Flug für nächste Saison Business gebucht habe.

Fortsetzung folgt..... Wär schön, wenn ihr die Diskussion erst zum Schluss eröffnen würdet, damit die Zusammenfassung nicht zu sehr zerschossen wird. Ich gehe jetzt an die frische Luft. Die Sonne, die ich seit meiner Rückkehr nicht oft gesehen habe, scheint wieder einmal.
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Re: Farang-Guetzli in Pattaya

Beitragvon mungg » Mi 23. Mai 2018, 06:37

Fortsetzung.......

Unterkünfte
Ich war in insgesamt fünf verschiedenen Unterkünften: drei Condos und ein Guesthouse in Pattaya Jomtien sowie ein Bungalow in Koh Chang.
Alle Unterkünfte hatten gemeinsam, dass die Matratzen ungewohnt hart waren. Auch wenn die Matratze durchgelegen war, wie im letzen Condo, war sie trotzdem hart, dafür hatte sie zwei Dellen. Für Leute, die so harte Matratzen nicht vertragen, könnte das ein Problem werden. Ich werde das nächste Mal eine Intex Gästebett-Luftmatratze mitnehmen, die ich dann als Topper auflegen werde. Wenn hier jemand eine andere effektive Lösung weiss, die nicht zum Abfallproblem beiträgt, dann her damit. Die Thai-Matratzentopper lösen das Problem für mich nicht wirklich.

Alle Unterkünfte waren top sauber bei Antritt. Der Wasserdruck liess bei drei Unterkünften zu wünschen übrig. Aber wir sind hier halt einfach verwöhnt. In keiner der Unterkünfte hatte es Ungeziefer, wenn man mal von den Ameisen absieht. Aber die stören mich nicht so sehr. Muss man halt ein bisschen schauen, dass man sie nicht anlockt. Vereinzelt sah man auch mal eine Kakerlake.

Im Guesthouse gabs einen Zimmerservice. In den Condos findet man alles an Bettwäsche, Dusch- und Handtüchern, was man braucht. Für das Waschen derselben und die Reinigung des Studios oder der Wohnung während des Aufenthalts ist man selbst verantwortlich.

Die Infrastruktur in den Condominiums war sehr unterschiedlich. Am besten gefiel es mir im View Talay 5 D. Dort könnte ich theoretisch sechs Monate überleben, ohne einmal das Gelände zur verlassen. Von morgens acht bis abends elf gibts immer irgendwo was zu futtern und/oder trinken. Es hat einen gepflegten Pool, wo man für wenig Geld eine Sonnenliege inkl. Auflage mieten kann. Nebst Poolrestaurant findet man drei weitere kleine Restaurants. Im Minimarkt findet man ein breites Sortiment der wichtigsten Dinge. Drei Massagestudios sorgen für Entspannung. Deine schmutzige Wäsche darfst du zu äusserst günstigen Konditionen einer der drei Wäschereien anvertrauen, wo du auch versuchen kannst, eine gute Raumpflegerin zu buchen. Dazu befinden sich mehrere Immobilienbüros und ein Anwaltsbüro im Condo. Es ist ein sehr ruhiges Haus, mit ruhigen Mietern. Das einzige an unangenehmen Geräuschen war das Brummen der Klimaanlage des Nachbarn. Oder wars der Deckenventilator?

Aber wie schon erwähnt, ist die Infrastruktur nicht überall gleich. Im Condo, wo ich zuletzt war, gabs unter Umständen nach acht Uhr abends nichts mehr zu futtern und ich musste nochmals raus. Das Hauptsortiment des "Minimarktes" beschränkte sich auf Chips und andere unnütze Knabbereien. Die Wäscherei schloss eine Woche nach meiner Ankunft und die Wiedereröffnung war erst eine Woche vor meiner Abreise, sodass ich die Wäsche auswärts bringen musste. Hätte ich vermutlich eh gemusst, denn nur wenige Thais sprechen und/oder verstehen genügend Englisch. Ich bin aber darauf angewiesen, dass mich die Frau versteht, wenn ich ihr sage, dass ich Allergien habe und die Parfums in den Weichspülern und Bügelsprays nicht vertrage. So habe ich meine Wäsche nur der lieben "Littlefoot" ins VT5 gebracht.

Shoppen und Konsumieren
Kleider und Taschen auf den Märkten gibts zu Hammerpreisen. Essen im Restaurant ist auch extrem günstig, wenn man nicht auf westliches Essen besteht. Ich war in mehreren wirklich guten Thai-Restaurants, mit immer leckerem Thai-Futter, ohne auch nur einmal Probleme mit der Verdauung zu bekommen. Auf dem Markt und von den Strassenküchen werde ich bis auf eine Ausnahme kein Essen mehr kaufen. Das Risiko von Verdaungsbeschwerden ist mir da aus Erfahrung zu gross. Aber auch Thai-Restaurants mit Kloaken statt WC's werden gemieden.

Wer plant, in Thailand eine Brille zu kaufen, sollte sich damit auskennen. Ich wurde jedenfalls bei Top Charoen übers Ohr gehauen. Ich habe mir eine Brille gekauft für 300 Fränkli. Gestern war ich beim Optiker, weil die Brille einfach nicht richtig sass. Er meinte (ohne zu wissen woher die Brille kommt), dass das Gestell nicht neu, respektive schon mal getragen worden sei. Er zeigte mir, woran man das sieht. Es kam mir schon so komisch vor, als ich die Brille abholte. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass das nicht das Gestell ist, das ich mir ausgesucht habe sondern nur ein Ähnliches. Anyway... Bringt das was, wenn ich das nächste Saison im Laden reklamiere? Sie sagte, ich könne jederzeit wiederkommen, wenn ich Probleme mit der Brille hätte. Würde ich nochmals eine Brille kaufen, würde ich das ausgesuchte Modell fotografieren und das Endprodukt genau kontrollieren auf z.B. angelaufene Stellen am Gestell oder verfärbte Nasenpads.

Wer sich tierschützerisch betätigen will, nehme sich vor gierigen Tierärzten in acht sonst kostet eine Behandlung unter Umständen soviel wie oder mehr als in der Schweiz.

Alles in Allem gefiel mir die Abzockermentalität der Thais nicht sonderlich. In Thailand herrscht offensichtlich nicht diese krankhhafte Kontrolitis und Regulitis wie hierzulande. Hier ein bisschen weniger und in Thailand ein bisschen mehr wäre doch perfekt. Ich hoffe, dass ich mit den zwei Zahnkronen keine Probleme bekomme. Auch wenn das eine Klinik unter Deutscher Leitung machte, ist das keine Garantie. Die Abzockermentalität kann für Expads ansteckend sein. Aber ich durfte auch Thais kennenlernen, die eine ordentliche Arbeit für den vereinbarten Preis ablieferten.

Untypisch für eine Frau, war ich in den sechs Monaten ein einziges Mal in einem Shopping Center. Das hat mir gereicht. Läden mit exorbitanten Preisen in einer sterilen Atmosphäre. Okay, ich habe nicht das ganze Center gesehen, weil mir nach Erkundung der Hälfte des Erdgeschosses die Füsse und Beine schon so schmerzten, dass ich den Heimweg antreten musste.

Wer mit wenig Sprachkenntnissen in den Supermarkt geht, tut das vorzugsweise mit genügend Zeit. Die Mitarbeiter schüttelten ausnahmslos den Kopf, wenn ich fragte, ob sie englisch sprechen. Man muss also alles selber suchen.

Haushaltartikel wie z.B. Geschirr, Putzutentsilien, Kübel etc. ist in den entsprechenden Thailäden oder auf teils Märkten wesentlich billiger als in den Supermärkten wie z.B. Tesco Lotus, Big C etc.

Grundsätzlich muss man sich vor jedem Kauf fragen, ob man etwas wirklich braucht oder ob es der angeforderten Qualität entspricht, denn das Abfallproblem der Thais ist gewaltig. Evtl. auch darüber nachdenken, ob man einen Gegenstand, den man nicht (mehr) brauchen kann, jemandem schenkt, der in brauchen oder verkaufen kann. An der Thepprasit gibts einen Second Hand Market. Evtl. sind dortige Händler dankbar für Gegenstände, die sie dann verkaufen können. Ich habs selber nicht ausprobiert. War aber ein Gedanke, als ich noch nicht wusste, dass ich wiederkomme und eine Storage-Box für meine Thai-Sachen miete.

Fortsetzung folgt......
mit den Themen Strandleben, Mobilität und vielleicht mehr.....
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Re: Farang-Guetzli in Pattaya

Beitragvon mungg » Di 29. Mai 2018, 08:21

Boah... ganzer Text weg. Also nochmals von vorn.

Strandleben
Das Strandleben war ein ultimatives Erlebnis. Ich fühlte mich wie eine Königin. Beim ersten Anblick war ich zwar geschockt, ab der vielen Liegen, die da so nah beieinander stehen. Ich bezweifelte, dass ich mich da wohlfühlen könnte. Aber ein Versuch zeigte, dass es meistens ruhig ist und keine unangenehme Gerüche stören. Bis auf zwei Ausnahmen war ich immer an der Dongtan Beach bei Wim am Abschnitt Nr. 19. Wenn ich ankam wurde ich an meine Liege geleitet. Das Strandtuch nahm mir Wim sanft ab, breitete es auf der Liege aus und steckte es rumum fest. Wenn es verwehten Sand auf der Liege hatte, wurde der natürlich vorher mit einem Thaiwedel entfernt. "Und jetzt etwas zu trinken? Ein Käffchen vielleicht?" "Nein, heute morgen einen Melonenshake."

Eine Liege kostet pro Tag 100 Baht (ca. Fr. 3.30) und ein Liegestuhl 50 Baht.

Die Strandverkäufer waren nicht aufdringlich. Hatte ich die Augen geschlossen, wurde ich gar nicht angesprochen. An der Dongtan Beach lässt man die Touristen schlafen. Eine Thai-Massage habe ich nur einmal in Anspruch genommen. Ist nicht so mein Ding. Aber die Geschmäcker sind da sicher verschieden. Es gab Strandverkäufer, die fertig gerüstete Früchte verkauften - mehr oder weniger frisch. Mit der Zeit hat man seine Stammverkäufer aus Erfahrung. Dasselbe mit den Mc Donalds auf zwei Beinen (siehe Foto). Bei den Einen schmeckte es abgestanden, bei Anderen frisch.

Wim habe ich nicht einmal ins Handy gaffen sehen, wenn er gerade nichts zu tun hatte. Entweder streifte er durch die Reihen und befreite Liegen und Füsse mit dem Thaiwedel vom Sand oder er hockte auf seiner Kühltruhe und hielt nach potentieller Kundschaft Ausschau. Bei seinen Streifzügen durch die Reihen hatte er immer ein Lächeln und oft ein Witzchen auf den Lippen. So war er immer präsent, wenn man etwas bestellen wollte. Er machte seine Sache wirklich gut. Verkaufen ohne zu nerven. Also bestellte ich jeweils gegen Mittag die Menukarte und danach etwas zu essen. Die Preise waren in etwa wie wenn man ins Restaurant essen geht. Das scheint nicht bei allen Strandbetreibern gleich zu sein. Ich war mal an der Pratumnak Beach. Ausser exorbitanten Preisen wurde einem gar nichts geboten.

Wegen der Berichterstattung in den Medien über ungeklärte Abwässer, die direkt ins Meer geleitet werden, war ich nie im Meer schwimmen. Ich hatte keine Lust auf eine Sonnenallergie wie in Tunesien nach dem Baden im Meer. Da sind ja nicht nur Fäkalien, die ins Wasser gelangen sondern auch Chemikalien aller Art.

Alles in Allem habe ich meine Aufenthalte bei Wim an der Dongtan Beach in vollen Zügen genossen. Wer allerdings homophob ist, sollte die Dongtan Beach besser meiden, denn es ist nunmal der Strandabschnitt der "warmen Brüder". Mich hat es nicht gestört. Es benahmen sich alle ausnahmslos anständig.

Fortsetzung folgt......


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Re: Farang-Guetzli in Pattaya

Beitragvon Ecki » Mi 30. Mai 2018, 10:30

sorry dass ich rein platze
Aber ich bin urlaubsreif, besonders wenn ich deinen Bericht lese

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Re: Farang-Guetzli in Pattaya

Beitragvon mungg » Mo 11. Jun 2018, 10:10

Mobilität
Mal vorab: Ich fühlte mich auf Pattayas Strassen mit dem Motorrad sicherer, als zu Fuss. Wie vorgewarnt, befinden sich Fussgänger auf der untersten Stufe der Hirarchie.
Die ersten zwei Monate traute ich mich nicht, selbst zu fahren - hauptsächlich wegen dem Linksverkehr. Also fuhr ich mit dem Baht-Bus und später auch mit den Motorrad-Taxis. Mein Orientierungssinn ist ausserordenlich schlecht ausgeprägt. Ich musste jede Fahrt an einen neuen Ort genaustens mit Hilfe von google maps vorbereiten, denn ich kann nur kurze Strecken zu Fuss gehen. Leider half die Vorbereitung auch nicht viel, weil ich ich mich an nichts orientieren konnte. Es gab überall entlang der Strassen aneinander gereihte Geschäfte, Schilder und Werbetafeln. Es sah für mich alles mehr oder weniger gleich aus. Die Chauffeure verstanden oder sprachen nicht alle Englisch. Und ich war ja praktisch immer alleine, also ohne ortskundigen Pattayaner unterwegs. So bin ich zwar in die Nähe des Ziels gelangt, musste aber teilweise weite Strecken zu Fuss zurücklegen, weil ich zu früh oder spät ausgestiegen bin.

Die Jungs von den Motorradtaxis sind dem Englisch genauso wenig mächtig, wie die Chauffeure von den Baht-Bussen. Also auch hier muss man selbst wissen, wo sich das Ziel befindet. Für weitere Strecken nahm ich die Baht-Busse und für kürzere Strecken, die von den Baht-Bussen nicht bedient wurden, die Motorrad-Taxis, die fast an jeder Ecke stehen. Natürlich dauerte es eine Weile, bis den Dreh raus hatte. Und weil trotz ausgeklügeltem System immer Gehstrecken zu überwinden sind, blieb ich zu Beginn oft im Condo. Ich hatte dort ja fast alles, was ich brauchte.

Zwischen Weihnacht und Neujahr fühlte ich mich bereit, selber mit dem Motorrad Jomtien zu erkunden. Leider waren zu der Zeit wegen Hochsaison alle Motorräder beim Vermieter in der Nähe ausgebucht. Also musste ich mich bis nach Neujahr gedulden. Auch dann hatte es zwar kein freies Motorrad, aber die Dame vom Büro stellte mir eins in Aussicht und rief mich an, als das Motorrad ein Tag später tatsächlich zurückgebracht wurde. Die Motorradmieten sind extrem günstig, vor allem bei Langzeitmieten. Ich habe pro Monat 2500 Baht bezahlt, was in etwa 85 Franken entspricht - pro Monat, nicht pro Tag! Allerdings sind die Motorräder mehr oder weniger schlecht gewartet. Es sei deshalb jedem empfohlen, im Minimum die Funktion der Bremsen zu überprüfen. Abgefahrene Pneus habe ich nach meinem Platten auch nicht mehr akzeptiert, denn gerade diese Panne ist im Mietpreis nicht inbegriffen. Ansonsten ist die Reparatur von nicht selbst verschuldeten technischen Mängeln in der Regel inbegriffen - zumindest bei den beiden Vermietern, wo ich mietete. Leuchtende Motorenlampen dürfen aber nicht ignoriert werden, bis der Motor kaputt ist, sonst muss man auch zahlen. Beim Einen musste ich warten, bis die Reparatur fertig war. Beim Anderen bekam ich ein Ersatzfahrzeug und ein Termin, wann ich wiederkommen soll. Alles in Allem war ich mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis bei der Motorradmiete zufrieden.

An dieser Stelle ein Dankeschön an Kurt aus dem Forum hier, der die Motorradversicherungs-Police überprüfte und mich diesbezüglich beruhigen konnte. Ich werde bei meinem nächsten Aufenthalt jedoch eine Zusatz-Haftpflicht abschliessen. Die gesetzliche Haftpflicht soll fast nichts abdecken. Eine Zusatzversicherung hat auch den Vorteil, dass ich bei einem Unfall die Versicherung anrufen kann, die einen Vertreter auf den Platz schicken. Bei den sprachlichen Barrieren ist das für mich ein Riesenvorteil. Und die Prämien sollen auch sehr günstig sein.

Ich nutzte das Motorrad hauptsächlich in Jomtien. In der City war ich nur zweimal damit und das hat mir gereicht. Einmal habe ich mich hoffnungslos verfahren (da krieg ich gleich Panik) und einmal bin ich in der Rush-Hour gelandet. Die City ist sowieso nicht so mein Ding. Da gibts nichts Interessantes für mich. Ansonsten ist das Motorrad für mich das optimale Fortbewegungsmittel. Je nach Tageszeit und Route, braucht man aber eine Staubmaske wegen der Cars, die die grausamen, schwarzen Wolken ausstossen. Es scheint in Pattaya keine Abgasvorschriften zu geben.

Wenn es besonders heiss war, wurde es für mich gefährlich. Irgendwie dreht man automatisch am Gashahn für mehr Fahrtwind. Schnelles Fahren sollte man der Sicherheit willen aber besser bleiben lassen. Zweimal kam ich in eine brenzlige Situation. Einmal als mir nach der Kurve ein Auto auf meiner Seite entgegenkam. Vermutlich war ein Farang am Steuer, der sich noch nicht an den Linksverkehr gewöhnt hatte. Und einmal wurde ich von einem Pickup beim Warten aufs Einbiegen geschnitten, sodass ich mich und das Motorrad fest nach links legen musste, damit ich nicht getroffen wurde. Vermutlich auch ein Farang. Denn ich war daran das Grundstück des Condos zu verlassen. Ausserdem lassen Thais den Motorrädern immer genug Platz. Motorradfahren ist in Pattaya besser als in der Schweiz (15 Jahre Erfahrung), weil die Motorräder ein grosser Bestandteil des Verkehrs sind. Ich hatte den Eindruck, dass grundsätzlich umsichtig gefahren wird und den Bikes wenn immer möglich Platz gemacht wird. Gefährlich auf den Strassen sind die Raser und Säufer.

Fortsetzung folgt.... mit den Themen: Das habe ich 6 Monate getrieben. Das hat mir besonders gefallen.
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Re: Farang-Guetzli in Pattaya

Beitragvon doldi51 » Mo 11. Jun 2018, 13:28

Deine nüchterne und -meiner Ansicht nach- sehr objektive Berichterstattung gefällt mir.
Du machst nicht gleich für alles was bei Dir vielleicht nicht so toll gelaufen ist die "dummen Thais" :ironie: verantwortlich, sondern nimmst die Gegebenheiten zur Kenntnis so wie sie sind und schaust auch einmal kritisch in den Spiegel.
Auf jeden Fall lassen sich Deine Berichte angenehm lesen und sind für jemanden der (s)eine Thailandreise plant bestimmt eine große Hilfe.
Mach weiter so :ymhug:
Gruß, Dieter.
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Re: Farang-Guetzli in Pattaya

Beitragvon mungg » Mo 11. Jun 2018, 17:14

Danke fürs Kompliment :x
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Re: Farang-Guetzli in Pattaya

Beitragvon tom » Mo 11. Jun 2018, 18:15

Kann mich Dieter nur anschliessen. Du bringst uns vieles aus einer ganz anderen Sichtweise als üblich rüber. Besten Dank!

Gruss Tom
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Re: Farang-Guetzli in Pattaya

Beitragvon mungg » Mo 16. Jul 2018, 07:49

Wow, schon über zwei Monate wieder in den Bergen. Das heisst, in dreieinhalb Monaten gehts schon wieder Richtung Pattaya. B-) B-) B-) Ich freue mich schon während ich mich bemühe, das Hier und Jetzt nicht ganz zu ignorieren ;)

DAS habe ich 6 Monate getrieben
Es ist wie es ist: Wenn man behindert ist, kann man das nicht einfach zuhause lassen. So habe habe ich versucht zu überleben, wie ich das auch in der Schweiz praktiziere. Dank günstiger Preise bei den Dienstleistungen wie Putzen, Waschen, auswärts Essen konnte ich mich im Bereich der stupiden Selbstversorgung massiv entlasten. So blieb Energie übrig für Dinge, die Freude machen. Anfangs nutzte ich morgens rege den Pool zum Schwimmen, stretchen und faulenzen. Das empfand ich zwar genauso stupid wie putzen, waschen und kochen, aber ich hatte mindestens mal eine Beschäftigung, die der Gesundheit dienen soll.

Da ich mir schon im Vorfeld Gedanken machte, wie ich meine Zeit sinnvoll mit Freude nutzen kann, hatte ich schon ein bisschen recherchiert. Ich liebe Katzen. Im Internet habe ich die Homepage von Paul von cats4you Pattaya gefunden. Durch ihn habe ich eine Thailänderin kennegelernt, die 150 Hunden und 40 Katzen von der Strasse einen Schutzraum bietet. Sie nimmt nur kranke und verunfallte Tiere auf. Ich habe sie dann regelmässig besucht und mich bei der Gelegenheit den Katzen etwas angenommen. Es ist eine Freundschaft entstanden. Thais haben allerdings andere Ansichten, wie Tiere artgerecht gehalten werden. Immer fehlt es an den nötigen finanziellen Mitteln und manchmal sicher auch an der Einstellung, wie man die Mittel effizient einsetzt.

In der Zeit meiner Besuche bei Meow ist unter den Katzen die Katzenseuche ausgebrochen. Alle Kitten sind mir unter der Hand weggestorben. Meow log mich an, was die Pflege der Tiere betraf, wenn ich nicht da war. Sie tat das, weil sie mit so vielen Tieren schlicht überfordert war, aber ihr Gesicht wahren wollte. Ich habe das in der Situation nicht so richtig begriffen. Jedenfalls habe ich mich nach zwei Monaten mit ihr total zerstritten, als eine Katze zwei Babys gebar. Ich konnte nicht verstehen, dass man der Kastration der Tiere keine Priorität einräumt. Die Kitten waren nur geboren, um zu sterben. Nach dem Streit ging ich nicht mehr hin. Ich wollte und konnte das nicht länger unterstützen. Für die Kitten gab es später übrigens ein HappyEnd. Sie leben heute zusammen mit der Mutter bei einer Deutschen Expad in Pattaya. <3

Am Tag, nachdem ich bei Meow meinen Abgang hatte, fühlte ich mich schlagartig ohne Lebensinhalt. Ohne Plan, wie es jetzt weitergehen soll, schaute ich in Google Maps, wie man mit dem Motorrad an die Phratumnak Beach kommt. Ich wollte diese Gegend mal erkunden, als ich noch zu Fuss unterwegs war und musste wegen der Schmerzen abbrechen. Also fuhr ich mit dem Motorrad an die Phratumnak Beach und ging zu Fuss weiter bis zur Promenade, wo es dann nur noch über die Felsen weiter dem Meer entlang geht. Ich setzte mich dort auf ein Bänklein und schon nach wenigen Minuten machts neben mir "Miau". Ich war richtig happy. Das Meer und sein Rauschen, der blaue Himmel, die Wärme und neben mir diese Schmusekatze. Was gibts Schöneres? Von diesem Tag an war ich morgens jeden Tag an der Phratumnak-Promenade anzutreffen - natürlich nicht ohne Futter. So habe ich nach und nach den ganzen Clan kennengelernt. Da ich jeden Morgen, etwa zur selben Zeit auf dem Platz war, ergaben sich nach und nach lose Kontakte mit Leuten verschiedenster Herkunft, die sich ebenfalls um diese Zeit an der Promenade aufhielten. Unter den obdachlosen Thais gab es welche, die relativ gut Englisch sprachen und total nett waren. Ausserdem habe ich dort Nee kennengelernt, die später meine Raumpflegerin und Freundin wurde. Wir halten losen Kontakt und ich freue mich, sie nächsten Winter wiederzusehen.

Es mag sich jetzt vielleicht der ein oder andere denken, dass es völlig unnötig ist, Strassenkatzen zu füttern und pflegen, weil sie sich dann noch mehr vermehren. Darüber habe ich mir auch Gedanken gemacht. Die Alternative bedeutet für die Tiere Hunger, Krankheit und unter Umständen langes Siechtum bis zum Tod. Ich habe mich deshalb für die humane Variante entschieden und werde bei meinem nächsten Aufenthalt die Katzen "meines" Hotspots kastrieren lassen. Ich hatte auch schon einen guten Tierarzt gefunden, der das zu einem fairen Preis macht, aber schlussendlich leider zuwenig Zeit, denn die Tiere müssen gesund sein und eine paar Tage nach der OP in Gefangenschaft gepflegt werden, bevor man sie wieder in die Freiheit entlassen kann. Unter meinen Bekanntschaften vom Meer befindet sich ein Schweizer, der mir bei sich zuhause einen Platz für ein paar Käfige zur Verfügung stellen würde. Aber das ist alles Zukunftsmusik. Ich habe keine Ahnung, wie sich alles entwickelt, bis ich wieder nach Pattaya reise.

Nach meiner frühmorgendlichen Mission am Büsi-Point machte ich mich auf den Heimweg, packte meine Strandtasche und machte mich auf den Weg zu Wim an der Dongtan-Beach. Siehe dazu auch mein Kapitel "Strandleben". Dort ass ich später auch mein Mittagessen, bevor ich mich auf den Heimweg machte für meinen obligaten Mittagsschlaf. Leider konnte ich am Strand auf den Liegebetten nicht schlafen, weil ich mit der Zeit fiese Druckstellenschmerzen bekam. Abends war dann variabel. Ich bin nicht besonders fit und unternehmungslustig am Abend. Oft blieb ich im Condo. Abendessen gabs im Poolrestaurant. Der Sonnenuntergang an der Promenade bei "meinen" Kätzchen vermochte mich manchmal auch abends aus dem Haus zu locken. Wenn ich Lust hatte, rauszugehen, suchte ich so einen Billiardschuppen auf oder war am Jomtien Night Market anzutreffen. Wegen der traumhaften Lage und kulinarisch war der Jomtien Night Market mein Favorit. Kulinarisch deshalb, weil ich dort fertig gerüsteten gemischten Salat kaufen konnte. Das alles klingt vielleicht für viele total langweilig. Aber für mich war es Leben pur. Hier in der Schweiz bin ich grösstenteils mit meiner Selbstversorgung beschäftigt, denn meine Mittel sind zu beschränkt um mir eine Haushalthilfe leisten zu können und täglich auswärts essen gehen zu können. Für viel mehr als meine Selbstversorgung reicht die Kraft einfach nicht. DAS ist langweilig.

Was hat mir besonders gefallen?
Das Wetter war Hammer. Es gibt nicht diese Temperaturschwankungen wie bei uns. Auch wenn die Sonne untergegangen ist, bleibt es angenehm warm. Morgens geht die Sonne auch im Winter relativ früh auf. Nachmittags, wenn es heiss werden kann, muss ich mich eh immer ein paar Stunden hinlegen. Das Klima harmoniert also perfekt mit meinem Biorhytmus. Ich musste während sechs Monaten nicht putzen, waschen und kochen. Diese Arbeiten konnte ich zu einem günstigen Preis abgeben. Putzen und Waschen klappte zwar nicht von Anfang an so, wie ich es brauche. Aber mit etwas Geduld und Spürsinn hat es schlussendlich perfekt geklappt. Wer übrigens in Pattaya eine zuverlässige und kompetente Raumpflegerin mit etwas Englischkenntnissen sucht, kann sich gerne an mich wenden. Allerdings verdient Nee bei mir etwas mehr als der Durchschnitt für ihre überdurchschnittliche Leistung.

Das wars.... In ein paar Monaten gibts dann "Farang-Guetzli in Pattaya 2.0". Na ja, vielleicht nicht Guetzli, denn zu den total Unerfahrenen muss ich mich dann nicht mehr zählen. Auch wenn ich das ein oder andere Lehrgeld bezahlt habe, habe ich es alles in allem nicht allzu schlecht bewältigt, zumal ich komplett allein reiste, niemanden in Pattaya kannte und keinen Einheimischen an meiner Seite hatte, der mich in schwierigen Situationen wenigstens in sprachlicher Hinsicht unterstützen konnte.


Mein Lieblingsplatz:

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Meine Lieblinge:

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