Personenfreizügigkeit

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tom
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Personenfreizügigkeit

#1

Beitrag von tom » Di 4. Nov 2014, 09:52

Gestern hat der Schweizerische Bundesrat das parlamentarische Mandat erhalten, mit der EU zu verhandeln, nachdem das Schweizer Stimmvolk die Zuwanderungsinitiative angenommen hat. Es geht dabei um das Personenfreizügigkeitsabkommen.

Vorab: ich habe gegen die Initiative gestimmt, war damals also in der Minderheit. Was mir aber jetzt sehr auffällt und was ich nicht so ganz verstehe ist die Tatsache, dass diese Personenfreizügigkeit innerhalt der EU offensichtlich eine sehr heilige Kuh ist. Sie sei generell nicht verhandelbar und sei der wichtigste Eckpfeiler.

Aber weshalb ist es so? Weshalb scheuen Politiker jedes Landes innerhalb der EU sich so, dieses Thema neu zu verhandeln oder zumindest zu besprechen? Es ist meiner Meinung nach so, dass die Politiker hier am Volk ihrer Länder vorbeipolitisieren. Ich denke dass die Mehrheit der Bevölkerung in der EU durchaus nicht der Meinung ist, dass eine automatische Personenfreizügigkeit ein Muss ist, damit die EU funktioniert.

Oder täusche ich mich da so sehr? Insbesondere Meinungen von unseren Nicht-Schweizer-Membern würde mich da interessieren.

Gruss Tom
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manni
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Re: Personenfreizügigkeit

#2

Beitrag von manni » Di 4. Nov 2014, 11:55

tom hat geschrieben: Ich denke dass die Mehrheit der Bevölkerung in der EU durchaus nicht der Meinung ist, dass eine automatische Personenfreizügigkeit ein Muss ist, damit die EU funktioniert.

Oder täusche ich mich da so sehr? Insbesondere Meinungen von unseren Nicht-Schweizer-Membern würde mich da interessieren.

Gruss Tom
Da sprichst Du mir aus der Seele. vor allen Dingen die neuen Osteuropäer bringen auch leider mehr Kriminalität mit.
Ich sehe auch überhaupt nicht ein, warum viele hier hinkommen, haben noch nie in dieses Sozialsystem eingezahlt, bekommen aber Hartz 4.

Aber wir wurden ja nicht gefragt.
Es wird uns einfach aufs Auge gedrückt.

Gruß Manni

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Caveman
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Re: Personenfreizügigkeit

#3

Beitrag von Caveman » Di 4. Nov 2014, 12:07

Mich erinnert diese Frage ein wenig an die Skepsis und auch teilweise offene Ablehnung Ostdeutscher durch viele Westdeutsche in der Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung und auch um die damaligen Diskussionen, warum der Westen so viel Geld in den Osten steckt. Als Befuerworter der deutschen Wiedervereinigung kann man doch wohl kaum sagen: "Sollen die Ossis doch gefaelligst im Osten bleiben und uns hier im Westen in Ruhe lassen".

Aehnlich sehe ich es jetzt mit der Freizuegigkeit innerhalb der EU. Entweder richtig oder gar nicht. Skeptisch bin ich zwar nach wie vor, ob man da nicht ein wenig zu viel des Guten getan und Staaten aufgenommen hat, die laengst noch nicht reif dafuer sind. Da sie aber nun mal aufgenommen wurden, gehoeren sie zur EU und selbstverstaendlich braucht man dann auch nicht mehr ueber die Freizuegigkeit zu diskutieren. In den USA wuerde es schliesslich auch niemanden einfallen, nen Hinterwaeldler aus dem tiefsten Alaska den Zuzug nach Florida zu verwehren.

Nicht auf dich gemuenzt, lieber Tom, sondern ganz allgemein auf die von dir angesprochene Situation.

Gruss
Caveman

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tom
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Re: Personenfreizügigkeit

#4

Beitrag von tom » Di 4. Nov 2014, 12:35

Caveman hat geschrieben:Skeptisch bin ich zwar nach wie vor, ob man da nicht ein wenig zu viel des Guten getan und Staaten aufgenommen hat, die laengst noch nicht reif dafuer sind. Da sie aber nun mal aufgenommen wurden, gehoeren sie zur EU und selbstverstaendlich braucht man dann auch nicht mehr ueber die Freizuegigkeit zu diskutieren.
Ich verstehe Dich schon, Caveman, und habe Dein Posting auch nicht persönlich genommen. Jedoch sind genau die obigen Aussagen von Dir jene, welche ich nicht verstehe. Man kann und soll durchaus etwas machen und mal mit einem Projekt beginnen. Jedoch sehe ich nicht, weshalb später Aenderungen nicht verhandelbar sein sollen respektive nicht Anpassungen gemacht werden können. Vermutlich ist das Thema Personenfreizügigkeit genau eines von denen, bei welchen die Politik vieler Ländern an ihrem Volk vorbeipolitisiert. Oder einem Land wie der Schweiz, welches einen Ausländeranteil von 23% hat, muss man doch zugestehen können, dass es irgendwann mal sagt dass man über die Bücher gehen muss, da dies so in dieser Art und Weise nicht ewig weitergehen kann. Oder Luxemburg mit über 40%-Anteil. Oder Lettland mit 16% usw... Ueber die Bücher gehen bedeutet ja nicht dass keine Ausländer mehr in einem Land wohnen und arbeiten dürfen. Es bedeutet nicht mehr als halt eine veränderte Situation überdenken und den besten Kompromiss für alle zu finden. Darum geht es mir eigentlich. Um die Aussage innerhalb der EU, dass freie Personenfreizügigkeit in keinem Fall verhandelbar ist.

Gruss Tom
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ZH-thai-fun
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Re: Personenfreizügigkeit

#5

Beitrag von ZH-thai-fun » Di 4. Nov 2014, 14:10

tom hat geschrieben:[Vermutlich ist das Thema Personenfreizügigkeit genau eines von denen, bei welchen die Politik vieler Ländern an ihrem Volk vorbeipolitisiert. ?...
Dass ist es genau. EU ist ein "alter Zopf". In der Idee dazu wurde damals die Personenfreizügikeit festgeschmiedet. Und heute ist das noch der einzige Kitt, obwohl der spröde geworden ist.
Die Zeit und das System haben in den Köpfen der Bürger genau das Gegenteil bewirkt. Nationalismus und Rassismus geschürt. Und die Populisten rühren noch wie Hexer Gift in die EU Suppe. Und das Chilli liefernd die Kriege und deren Flüchtlinge vom Süden her.

Ich selber fühle und denke. Die EU ist eine Egoistische Union gworden. Und die Schweiz sowieso...
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Namkhaeng
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Re: Personenfreizügigkeit

#6

Beitrag von Namkhaeng » Mo 16. Mär 2015, 09:08

Wie sehr die Eurokraten neben der Spur liegen, zeigte gestern ein interessanter und aufschlußreicher Artikel der FAZ:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/e ... 83578.html

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Re: Personenfreizügigkeit

#7

Beitrag von thaithom » Mo 16. Mär 2015, 11:17

Sowohl das gesamte Konstrukt der Europäischen Union (von Politikern erdacht und euphorisch umgesetzt) als auch der Euro (leider ebenfalls vor allem von Politikern erfunden) können eine ganz einfache Tatsache nicht aus der Welt schaffen: Die verschiedenen Mitglieder haben zum Teil enorm unterschiedliche Volkswirtschaften und je länger je mehr auch grosse Unterschiede bezüglich Denkart, Lebensweise, Bildungsniveau sowie Arbeitsweise und -Auffassung (dies soll im Übrigen keine Wertung sein).
Diesen Mix gewaltsam gleichschalten zu wollen kann sich doch allen Ernstes niemand zutrauen. Eine ungezügelte Personenfreizügigkeit wirkt dabei meines Erachtens nur noch erschwerend.
Ich halte es da wie tom: eine gewisse Freizügigkeit und damit auch ein Austausch von Kulturen, Denkarten und Know How ist gut und wünschenswert.
Das sture Festhalten an der heiligen Kuh jedoch erinnert doch stark an die Haltung vieler Ewig-Gestriger: Das habe ich schliesslich mal festgelegt, das habe ich immer so gemacht und das werde ich ganz sicher nicht ändern.
Thomas
Gruss Thomas
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Re: Personenfreizügigkeit

#8

Beitrag von ZH-thai-fun » Di 11. Aug 2015, 18:06

Die "Personenfreizügigkeit" geht bis in die nähe Afrikas.... Genau genommen in meinem Fall heute nach Gran Canaria, von wo aus ich euch heute den Post mit Gruss, mit einer Brieftaube die auf meine Hotelbalkon gelandet ist zusende...

Bild
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Re: Personenfreizügigkeit

#9

Beitrag von ZH-thai-fun » So 7. Jul 2019, 10:10

Schon, was schönes, so ganz Osteuropa bereisen zu können ohne Pass zu zücken.
Hier in Bratislava habe ich 12 Hotelschiffe gezählt...
20190705_142526.jpg
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Re: Personenfreizügigkeit

#10

Beitrag von Sanukshg » So 7. Jul 2019, 14:11

ZH-thai-fun hat geschrieben:
So 7. Jul 2019, 10:10
Schon, was schönes, so ganz Osteuropa bereisen zu können ohne Pass zu zücken.
Hier in Bratislava habe ich 12 Hotelschiffe gezählt...

20190705_142526.jpg
Ja die Hotelschiffe haben sich dort sehr vermehrt. Sind meistens aber in Deutschland, Holland, oder Schweiz angemeldet. Als ich noch gefahren bin waren manche sogar in Mallaga und? Habe es leider vergessen angemeldet. Früher war es mal so in der Binnenschifffahrt das man ein Schiff nur dort anmelden konnte wo es auch selber hinfahren kann.
Gruß aus Pluak Daeng
Ernst

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