Bedingungslose Grundeinkommen

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tom
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von tom » Fr 8. Jun 2018, 13:08

Ja, dies würde mich auch interessieren... dazu kämen dann noch Liegenschaftskosten welche bei einem BGE eventuell eingespart werden könnten, Löhne die bei einem BGE eventuell eingespart werden können... ich denke da gäbe es verschiedenste Dienste welche bei weitem nicht mehr die selbe Anzahl von Mitarbeitern benötigen würden wie es jetzt der Fall ist. Dazu kommen dann noch die ganzen Verwaltungskosten.... Natürlich bräuchte es auch bei einem BGE eine Verwaltung, aber ich denke da könnte einiges ziemlich abgespeckt werden. Dadurch würde vielleicht dann die Steuerlast für Bürgerinnen kleiner usw. usw...

Es wäre wirklich sehr interessant wenn man da mal konsequent dahinter gehen würde.

Gruss Tom

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thedi
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von thedi » Fr 8. Jun 2018, 13:54

Mit dem abspecken bei den Verwaltungen und Sozialämtern gäbe es freigestellte Mitarbeiter. Statt Lohn oder wenigstens Arbeitslosengeld bekämen die dann 2500 CHF BGE. Michaleo könnte uns sagen, ob das für einen Sozialarbeiter ein interessantes Szenario wäre.

Mich würde interessieren was eigentlich alles abgespeckt werden könnte. AHV?, Ergänzungslesitungen? IV? Sozialhilfe? Erwerbsersatz? Lohnfortzahlung bei Krankheit? Erwerbsersatz bei Militärdienst? Pensionskassen-Renten? Sozialdedektive? Die Liste ist sicher nicht vollständig.

Wahrscheinlich könnte nicht alles abgespeckt werden - aber was nun eigentlich ganz konkret?

Und was wäre dann mit dem 85-jährigen Mütterchen, das nun 2500 BGE statt 4500 Rente und AHV bekäme? Werden Härtefälle abgefedert? Wer entscheidet wie hart ein Fall ist bzw inwiefern abgefedert werden sollte? Wie gross ist dann anderseits der Aufwand dazu - Verwaltung plus Abfederkosten? Müsste das auch noch kontrolliert werden?

Bedingt das BGE einen Wohnsitz in der Schweiz? Oder könnte man auch im Ausland leben und BGE aus der Schweiz beziehen. Würde man - wenn man im Ausland dick verdienen würde - irgendwie in den BGE Topf einzahlen? Wie viel und wie würde das konkret mit Doppelbesteuerungsabkommen in Einklang gebracht?

Gilt das BGE nur für Schweizer in der Schweiz, oder auch für Ausländer mit Wohnsitz in der Schweiz? Wie sieht das aus wenn ein Schweizer eine Reise ins Ausland macht? 2 Wochen in Mallorca oder 6 Monate in Thailand überwintern oder einfach mit unbestimmten Zeithorizont um die Welt reisen?

Was wäre mit mir - müsste ich wieder in die Schweiz wenn meine AHV und Pensionsonskasse durch ein BGE ersetzt würden, oder gäbe es eine Besitzgarantie? Dürfte ich weiter bei meiner Familie in unserem Haus leben, oder müsste ich zurück in die Schweiz und dort mit 2500 CHF dahinvegetieren?


Fragen, lauter Fragen. Blöde Detail-Fragen - von einem gestellt, der nur dann für neue Ideen offen ist, wenn sie ihn nichts kosten. Weder seine Freiheit noch seinen Wohlstand in Frage stellen.


Mit freundlichen Grüssen

Thedi

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Michaleo
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von Michaleo » Fr 8. Jun 2018, 14:01

thedi hat geschrieben: 2500 CHF BGE. Michaleo könnte uns sagen, ob das für einen Sozialarbeiter ein interessantes Szenario wäre.
Nein, natürlich nicht, ein Sozialarbeiter verdient das dreifache. Aber die meisten, welche bei der IV, AHV, EL oder Sozialamt arbeiten sind natürlich nicht Sozialarbeiter, sondern kaufmännische Angestellte. Die verdienen viel weniger, sind aber auch schwierig umzuschulen oder wiedereinzugliedern, wenn sie arbeitslos werden.

Sie Sozialarbeiter selber bräuchte es weiterhin auch bei einem BGE, weil sie ja gebraucht werden für Leute, die überfordert sind, und die wird es weiterhin geben.

Was ferner zu bedenken ist, dass die AHV/IV/HE durch Lohnprozente bezahlt wird, welche gekürzt würden, wenn das BGE einfgeführt würde. Auch die zweite Säule würde geschwächt.

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tom
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von tom » Fr 8. Jun 2018, 14:05

Thedi hat geschrieben:Und was wäre dann mit dem 85-jährigen Mütterchen, das nun 2500 BGE statt 4500 Rente und AHV bekäme?
Es gibt ja noch keine Fakten, Thedi. Aber der Grundgedanke wäre natürlich nicht, dass das 85-jährige Mütterchen 2'000 Franken weniger zur Verfügung hätte. Sondern dass sie aus der AHV nur noch 2'000 Franken bekäme und der Rest wäre BGE. Nun käme es natürlich darauf an, wie das BGE finanziert würde damit man eruieren kann, ob die AHV mit dem BGE entlastet würde. Einsparen könnte man vermutlich Verwaltungskosten welche in verschiedenen Bereichen zentralisiert werden könnten.

Das 85-jährige Mütterchen ist natürlich nun eine alte Frau... nehmen wir mal den 67-jährigen Rentner mit seiner Frau... die hätten zusammen 5'000 Franken BGE und könnten vielleicht nach der Pensionierung mit einer kleinen Arbeit noch etwas weniges dazu verdienen und sich dadurch einen schönen Lebensabend leisten.

Oder der 60-jährige der seine Stelle verliert und keine Angst haben muss wie er nun alles bis zur Pensionierung überstehen soll...

Oder nochmals anders und vielleicht provokativer: benötigt es bei einem BGE eine Pensionierung überhaupt noch?

Gruss Tom

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von thedi » Fr 8. Jun 2018, 14:18

Genau da sehe ich das Problem: das Mütterchen bekäme weiterhin seine 4500 CHF im Monat. Niemand bekommt weniger, aber einige bekommen mehr. Und das wird irgend wie finanziert - ohne dass das mich oder Dich oder das Mütterchen etwas kosten wird.

Ich glaube nicht daran.

Ich habe von so Szenarien gehört: wenn man Teminhändlern oder so etwas auf jeder Börsen-Transaktion eine winzigkleine Null-Komma-Null-Null-Nichts Steuer erheben würde, dann könnte man die ganze BGE finanzieren. Auch daran kann ich nicht so recht glauben. Den wenn es ginge, dann wäre es schon längste gemacht worden. Dann müsste in der Schweiz schon heute niemand mehr Steuern oder Krankenkasse oder Billag bezahlen. Migros und Coop könnten sich den ganzen Aufwand mit Kasse usw sparen - das Schlaraffenland wäre perfekt. Ist es aber nicht.

Auch Crowdfunding wird wohl nicht funktioniern.


Mit freundlichen Grüssen

Thedi

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von Michaleo » Fr 8. Jun 2018, 14:25

thedi hat geschrieben:wenn man Terminhändlern oder so etwas auf jeder Börsen-Transaktion eine winzigkleine Null-Komma-Null-Null-Nichts Steuer erheben würde, dann könnte man die ganze BGE finanzieren. (...)
Den wenn es ginge, dann wäre es schon längste gemacht worden.
Da kennst Du wohl die Terminwarenhändler schlecht ;)
Sie verdienen ja ihr Geld mit grossen Mengen von kleinen Beträgen.
Sie würden wohl Einspruch erheben. Das gleiche gilt für Pharmariesen, Aerzte, Vermieter, Bauern, alle jene, die dafür in Frage kämen, einen kleinen Teil an die Finanzierung des BGE herzugeben.

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von tom » Fr 8. Jun 2018, 14:29

Es hat niemand gesagt dass es nichts kostet. Nur sehr viel wird jetzt bereits staatlich geregelt, man staunt wie viel eigentlich schon vorhanden wäre. Ein sehr guter Bericht hat die Aargauer Zeitung über die Finanzierung geschrieben. Ich finde den Bericht sehr unabhängig... einerseits weil er nicht einfach etwas vorgaukelt, andererseits weil er auch nicht einfach eine Idee tot schlägt sondern damit endet, wie ich es auch sehe: es bräuchte unbedingt seriöse Studien zu diesem Thema und zwar unvoreingenommen. Hier der Link zum Bericht:

https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/ ... -130213158

Gruss Tom

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Adi
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von Adi » Fr 8. Jun 2018, 14:49

thedi hat geschrieben:Statt Lohn oder wenigstens Arbeitslosengeld bekämen die dann 2500 CHF BGE
Der Grund warum ich die Frage der bisherigen Kostenstruktur stelle ist, es würde mich einfach interessieren, welcher Betrag damit ermöglicht würde, Meiner Meinung nach sollte man solche Berechnungen anstellen bevor man irgendwelchen Betrag wie die z.B. 2500 CHF nennt...
thedi hat geschrieben:Mich würde interessieren was eigentlich alles abgespeckt werden könnte. AHV?, Ergänzungslesitungen? IV? Sozialhilfe? Erwerbsersatz? Lohnfortzahlung bei Krankheit? Erwerbsersatz bei Militärdienst? Pensionskassen-Renten? Sozialdedektive? Die Liste ist sicher nicht vollständig.
Also Pensionskasse ist keine staatliche Institution, der Staat gibt nur der Rahmen vor, die Umsetzung ist rein privatrechtlich... Daher gehe ich davon aus, dass aus der bisherigen Altersvorsorge die 2. und 3. Säule unverändert bleibt. Und das macht auch Sinn...

Ergänzungsleistung ist ein guter Punkt...
Was ist in den Fällen wo es mit dem reinen BGE unmöglich ist zu überleben...?
thedi hat geschrieben:Wahrscheinlich könnte nicht alles abgespeckt werden - aber was nun eigentlich ganz konkret?
Also ich gehe mal grundsätzlich davon aus, dass mit einem BGE der Verwaltungsauwand mit den entsprechenden Folgekosten massiv reduziert werden könnte.
thedi hat geschrieben:Und was wäre dann mit dem 85-jährigen Mütterchen, das nun 2500 BGE statt 4500 Rente und AHV bekäme? Werden Härtefälle abgefedert? Wer entscheidet wie hart ein Fall ist bzw inwiefern abgefedert werden sollte?
Genau in dieser Situation würde das BGE einfach die AHV ersetzen. Der Rest kommt ja von der 2. Säule also vom eigenen ersparten durch das Berufsleben und nicht vom Staat.



P.S: Bin seit einer Weile daran bei unserem Betrieb das ganze Pensionskassenwesen im Detail zu analysieren um neu zu optimieren. In diesem Zusammenhang fällt mir wieder auf wie wenige überhaupt verstehen wie die 2. Säule funktioniert...

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von Adi » Fr 8. Jun 2018, 14:51

tom hat geschrieben:Es hat niemand gesagt dass es nichts kostet. Nur sehr viel wird jetzt bereits staatlich geregelt, man staunt wie viel eigentlich schon vorhanden wäre.
Alle unsere verschiedenste Sozialwerke werden heute bereits finanziert und haben einen sehr grossen Verwaltungsapperart. Was mich in einem ersten Schritt interessieren würde ist, ob es möglich genau diese finanzielle Mittel zusammenzuführen und der ganze bisherige Verwaltungsapparat möglichst zu vereinfachen. Also eine Vereinfachung vom ganzen System...

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Re: Über Geld neu zu denken BG

Beitrag von Colothani » Sa 9. Jun 2018, 13:24

Über Geld neu zu denken.

Durch die Digitalisierung und Automatisierung der Arbeit wird die Forderung nach dem Grundeinkommen immer stärker. Ralph Boes ist unermüdlich unterwegs, um für das Grundeinkommen zu ringen, weil für ihn die Zukunft der sozialen Sicherung unweigerlich damit zusammenhängt.

Wie realistisch ist die Einführung des Grundeinkommens, welche Chancen und welche Gefahren dabei bestehen.
Adi hat geschrieben:... ob es möglich genau diese finanzielle Mittel zusammenzuführen und der ganze bisherige Verwaltungsapparat möglichst zu vereinfachen. Also eine Vereinfachung vom ganzen System...
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