Bedingungslose Grundeinkommen

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Michaleo
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von Michaleo » Mi 6. Jun 2018, 20:57

tom hat geschrieben:dass langsam aber sicher ernsthaft darüber diskutiert wird.
Natürlich habe ich gerne die Gegenposition eingenommen, sonst gäbe es keine Debatte zwischen uns.
Aber ich bin politisch wahrscheinlich schon ein bisschen bürgerlicher oder angepasster als Du.
tom hat geschrieben:mir fällt auf, dass gerade ältere Leute wie Du (Sorry :D ) immer wieder viel skeptischer gegen neue Ideen eingestellt sind, das Gefühl haben dass Menschen bei so etwas wie dem BGE primär profitieren und nichts mehr leisten wollen...
Ich glaube nicht, dass ich konservativer bin, weil ich 64 bin, im Inneren bin ich ja immer noch mich, den ich schon mit 20 war: politisch ein Wirrkopf, ein Anarchist in dem Sinne, dass ich finde, dass der Staat nicht zu viel eingreifen darf, sondern der Gesellschaft überlassen soll, die beste Lösung zu finden. Meine 28-jährige Tochter, Präsidentin des Quartierleists, argumentiert z.B. konservativer als ich.

Aber: ich habe über 25 Jahre in der gesetzlichen Sozialhilfe gearbeitet, bin als Sozialarbeiter schon fast ein Fachidiot, zumindest was das Thema "wenig Geld und Menschen" betrifft. Da bin ich weit davon entfernt, zu meinen, jene, die Steuergelder beziehen seien Profiteure. Nein, das gehört zum System, so wie es im Lastenausgleich auch gebende und nehmende Kantone gibt.
tom hat geschrieben: Ich kenne nichts anderes als die 42-Stundenwoche... Aber erst seit ein paar Jahren dass ich laufend auch noch samstags und spät am Abend etwas für den Arbeitgeber mache... unbezahlt...
Mein Vater arbeitete als Wissenschaftler noch am Samstagmorgen. Ich selber war besser dran, zumal die Stadt Bern sehr gute, sozialere Bedingungen hatte. Natürlich musste ich auch ab und zu mir etwas beweisen - vor allem, wenn es um Projektarbeit ging - oder vorgegebene Ziele am Sonntag nachholen, weil ich durch die Woche eine Weiterbildung machte. Aber als engagierter Mitarbeiter und Kollege ist das selbstverständlich.
tom hat geschrieben:Ich sehe in der engen Nachbarschaft immer noch primär arbeitende Männer und hausarbeitende Frauen, die den Haushalt, die Wäsche, das Kochen etc. für die 5-köpfige Familie in Frohnarbeit erledigen...

Kommt sicher darauf an, wo man wohnt. Bei uns in der teuren Altstadt gibt es keine 5- köpfige Familien, sondern eher Hipsters, Nerds, Singles und Doppelverdiener mit Akademikerlohn.

Aber Seitenhieb gegen die Agglo beiseite: die Arbeitstrennung von Mann und Frau und die Lohnungleichheit sollte beseitigt werden, und vielleicht wäre da das Grundeinkommen behilflich. Vielleicht sollte man aber auch den Ehefrauen aus der Türkei und dem Balkan das Selbstbewusstsein stärken und kostenlose Ausbildungen für erwachsene Hausfrauen anbieten ;)

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thedi
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von thedi » Do 7. Jun 2018, 05:57

tom hat geschrieben:...Angst vor Neuerungen in einem solchen Ausmass. Weil sie offensichtlich das Gefühl haben, die Menschen würden so etwas nur ausnutzen. Aber ich denke diese Leuten unterschätzen den Mensch...
Sali Tom,

Wir gehen bei der Einschätzung des Menschen je von uns selbst aus - und kommen zu diametral verschiedenen Schlüssen. Das lässt tief blicken :ymblushing: X_X


Mit freundlichen Grüssen

Thedi

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tom
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von tom » Do 7. Jun 2018, 07:53

Ja Thedi :)

Ich denke bei einem BGE würde es verschiedene Gruppen geben:

- Menschen die dies ausnutzen, so wenig wie möglich dazu tun und quasi wie die Made im Speck leben (soweit es mit dem Geld möglich ist...)
- Menschen für die ein BGE eine Absicherung ist, die sich aber weiterhin aktiv verhalten, Geld dazu verdienen, aber vielleicht das Leben etwas gemütlicher nehmen oder ihre Lebensaufgabe anders sehen als bisher
- Menschen die wie heute nicht genug davon kriegen können und sich dank dem BGE noch ein (finanziell) "luxuriöseres" Leben leisten können

Es wird immer Unterschiede geben wenn es etwas gibt... Aber wie z.B. bei der IV-Rente bin ich auch hier überzeugt davon, dass nur ein sehr kleiner Teil des Gesamten negativ auffallen würde. Wobei ich dies freilich nicht weiss und wohl auch nie wissen werde... Sollte mal ein BGE eingeführt werden, werde ich wohl nicht mehr auf der Erde weilen... Dies wird dauern.

Gruss Tom

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von SomTam » Do 7. Jun 2018, 13:42

tom hat geschrieben:Ich sehe in der engen Nachbarschaft immer noch primär arbeitende Männer und hausarbeitende Frauen, die den Haushalt, die Wäsche, das Kochen etc. für die 5-köpfige Familie in Frohnarbeit erledigen...
Frohnarbeit? Sehe ich überspitzt nicht so, sie haben sich entschieden eine Familie zu gründen, die Kinder zu erziehen etc. etc. ...... Die Situation wurde evtl. gemeinsam entschieden, dass die Frau die Hausarbeit macht und der Mann das Geld nachhause bringt, es gibt wahrscheinlich sogar das umgekehrte, sprich die Frau bringt das Geld nach hause und der Mann erzieht die Kinder, wäscht, putzt u.s.w. wie auch immer ... sie tragen die Konsequenzen ihrer Gelüste. Finde ich positiv, dass sie nicht gleich zur Gemeinde rennen und nach Lohn fragen, sie kochen, putzen und wechseln Windeln ...... Heutzutage sollte, muss der Staat für alles bezahlen (wer Zahlt im Endeffekt wirklich)
Jetzt gibts die Familien, wo beide Eltern arbeiten, das Kind, die Kinder werden in die KiTa abgeschoben $-) , am Besten noch mit finanzieller Unterstützung des Staates .... provokativ, aber vergesst nie .... bei jedem Handel gibt es Positive und Negatives .....

B-) B-) B-)
Es Grüsst
SomTam

Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von Fredfeuerstein » Do 7. Jun 2018, 13:54

Was ist die Alternative zur staatlichen Unterstützung? Wenn Frauen weiterhin diesen Frondienst machen sollen, ohne Entgelt, keine anständige Rente im Alter, dann gibts eben keine Kinder. So einfach ist das, wir in Deutschland haben das nun 40 Jahre lang erlebt. Bye bye Deutschland ...

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von NoDurians » Do 7. Jun 2018, 14:40

thedi hat geschrieben: Oder es kann beschissen werden, so dass nur noch voll-Debile zahlen, ...
Das ist jetzt schon so! 95% Debile zahlen ins System ein und 5% lachen sich einen Ast ab und verschieben ihre Kohle in Steueroasen. Würde man die Fluchtrouten schließen, könnten wir uns ein BGE locker leisten. Und mit Fluchtroute meine ich nicht die Balkan- oder Mittelmeerroute, sondern die Routen nach Panama und auf die Caymans.

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von ZH-thai-fun » Do 7. Jun 2018, 22:34

NoDurians hat geschrieben: Würde man die Fluchtrouten schließen, könnten wir uns ein BGE locker leisten. Und mit Fluchtroute meine ich nicht die Balkan- oder Mittelmeerroute, sondern die Routen nach Panama und auf die Caymans.
Meine Rede .. L-) ... und z. B. ... https://www.infosperber.ch/Wirtschaft/S ... teueroasen
Populismus ist die Pubertäts- Zeit der Demokratie.

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von NoDurians » Fr 8. Jun 2018, 08:51

@ZH-thai-fun: Genau! Der Schurkenstaat Schweiz mischt da auch ordentlich mit.

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von tom » Fr 8. Jun 2018, 12:44

Wir liefern ja auch gerne mal Kriegsmaterial in Länder in welchen Bürgerkrieg herrscht oder in Länder von denen man weiss, dass sie Kriegsmaterial gerne mal in andere "befreundete" Länder weiterexportieren.... Es gibt etliches in unserer Schweiz was mich stört, die Kapital- und Steuerflucht ist auch so ein Thema... Und die selben Politiker welche sowas gutheissen jammern dann noch darüber dass in der Schweiz die Sozialleistungen viel zu hoch seien und die Leute gefälligst bis 67 arbeiten sollen... Und ein BGE nicht finanzierbar sei...

Gruss Tom

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von Adi » Fr 8. Jun 2018, 12:52

tom hat geschrieben:Und ein BGE nicht finanzierbar sei...
Was mich dazu mal interessieren würde ist, wie die heutigen Zahlen der Ausgaben der Sozialwerke aussehen:
  • AHV, IV, Arbeitslosengeld, Sozialhilfe...
  • Personalkosten für die aufgeführten Sozialleistungen (AHV, IV, Arbeislosengeld, Sozialhilfe...)
  • Infrastrukturkosten für die oben aufgeführten Sozialleistungen
Einfach die effektiven Zahlen der heutigen Ausgaben für alle Leistungen die durch ein BGE ersetzt würde

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