Bedingungslose Grundeinkommen

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thedi
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von thedi » Mi 6. Jun 2018, 07:40

Unter Crowdfunding verstehen die Rheinauer nicht Spenden von ein paar wenigen Superreichen, sondern 20 CHF von jedem der 500'000 Ja-Stimmer bei der Abstimmung vom Juni 2016. 500'000 x 20 CHF gäbe 10 Mio CHF. Wetten, dass nicht einmal 10% davon zusammen kommen werden?

Aber Michaleo hat schon recht: warum nicht machen - kostet nichts, hat auf jeden Fall einen besseren Unterhaltungswert als Infotainment zum Thema Syrien, Trump, Italienkrise oder Vollgeld und vielleicht bekommt sogar der eine oder andere etwas Geld geschenkt. Man soll die Vorderseite der Medaille nie vergessen, sonst wird das Leben trüb und ätzend.


Mit freundlichen Grüssen

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tom
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von tom » Mi 6. Jun 2018, 08:04

Man kann darüber lächeln, man kann es als unnötig finden... Tatsache ist aber, dass sich immer wie mehr Länder damit befassen und Tests beginnen (oder teils begannen). So z.B. nun auch Kanada:

https://www.wallstreet-online.de/nachri ... diskutiert

Sehr schön dass "die Spinner" welche für ein Bedingungsloses Grundeinkommen sind es offensichtlich zumindest geschafft haben, dass man über neue Möglichkeiten nachdenkt. Im obigen Beispiel Kanada auch mit einem Punkt den ich schon oft erwähnt habe: Maschinen und Computer ersetzen Menschen auf der Arbeit... Wie weiter?

Gruss Tom

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ZH-thai-fun
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von ZH-thai-fun » Mi 6. Jun 2018, 11:30

tom hat geschrieben:Man kann darüber lächeln, man kann es als unnötig finden... Tatsache ist aber, dass sich immer wie mehr Länder damit befassen und Tests beginnen (oder teils begannen). So z.B. nun auch Kanada: ...
Ich denke es ist überall ein Politisches zögerliches vor tapsen, in einem dem Menschen immer naher kommenden Problem. Ein langsames daran gewöhnen der Arbeitswelt an das was einmal sein muss!

Man weiß in hochtechnisierten Ländern ganz genau, dass man die Menschen nicht einfach auf dem Lehmboden sitzen lassen kann bei Dreck-Wasser und Krümelchen-Brot, wie in Drittweltländern. Denn wer Grundeinkommen hat wird auch den Konsumfluss nicht so bremsen. Um das geht es doch in der Wirtschafts- und Finanzwelt. ... L-) Wenn dann die Hochtechnisierte Industrien auch genug Steuern abwerfen!?
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thedi
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von thedi » Mi 6. Jun 2018, 13:24

tom hat geschrieben:...Maschinen und Computer ersetzen Menschen auf der Arbeit... Wie weiter?
Das ist auf jeden Fall heute noch keine Realität - in der Schweiz gibt es wenig Arbeitslose - und nicht alle davon möchten wirklich arbeiten - ich kenne da z.B. zwei Fälle in meinem Bekanntenkreis...

Prophezeit wurde es schon als ich 1972 am damaligen einzigen Computer der ETH Zürich als Operator angestellt wurde - im „Rechenzentrum“ war ein Team von 26 Mann - heute sind im den daraus entstandenen IT Diensten über 300 Spezialisten angestellt, und unzählige weitere IT Spezialisten in Instituten, in der Verwaltung, der Bibliothek und und und. Mindestens an der ETH Zürich hat die IT Entwicklung vor allem eins geeneriert: Arbeit für viele Leute und einen riesigen Wasserkopf.

Aber auch wenn das so wäre, und tatsächlich Maschinen und Computern den Menschen in der Schweiz die Arbeit weg nähmen, auch dann wäre ein Begingungsloses Grundeinkommen keine gute Lösung.
  1. Es würde keinen Sinn machen, jedem - also auch denen mit einem gut bezahlten Job - ein BGE auszuzahlen. Sinnvoller wäre ein Sozialsystem wie wir das schon haben, bei dem denjenigen unter die Arme gegriffen wird, die es brauchen.
  2. Arbeit hat nicht nur einen finanziellen Aspekt. Bei der Arbeit kommt man in ein soziales Netz, man macht etwas sinnvolles - oder meint das wenigstens. Arbeit gibt dem Leben einen Inhalt. Frisch Pensionierte haben mit diesem Manko oft am meisten Probleme. Sie kompensieren mit Reisen, Hobby, Sport - aber all das wäre nur frustrierend wenn es nur als Beschäftigungstherapie empfunden würde.
  3. Es wäre vielmehr anzustreben, dass die übrig gebliebene Arbeit aufgeteilt wird. 30 Stunden Woche, 20, 15 Stunden Woche für alle. Nicht dass die einen 42 Std, die andern 0 arbeiten.
  4. Eine Möglichkeit wäre auch, dass Arbeit geschaffen wird. Den Autobahnen entlang Tulpen pflanzen - das ist natürlich sinnbildlich gemeint. Es geht darum die Landschaft zu verschönern, die Lebensqualität zu heben. Nicht gewinnorientiert, sondern Qualität-orientierte Programme. Wer mal in Udon Thani war, hat sicherlich über die schön gestalteten Kreisel in der Stadt gestaunt. Vergleicht das mal mit den Kreisel in Zürich, dann versteht ihr was ich meine. Andere Beispiele wären z.B. Kundendienst der nicht nur abwimmelt, Läden um die Ecke ... lauter Dinge die wegoptimiert wurden, weil man kein Personal mehr fand.
Ein BGE wäre eine lausige, minimalistische und unbefriedigende Lösung für das Problem „Maschinen und Computer haben uns die Arbeit weg genommen“. Das Problem könnte man besser lösen.


Mit freundlichen Grüssen

Thedi

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Adi
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von Adi » Mi 6. Jun 2018, 13:54

Unabhängig ob ein Bedingungsloses Grundeimkommen als Ersatz der bisherigen unterschiedlichen Sozialwerke sinnvoll ist oder nicht...

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Experiment wie dieses wo ein "Bedinigungsloses Grundeinkomen" mit einer Vielzahl von Bedingungen irgendwelche nutzbare und messbare Aussage zur Folge hat und dementsprechend sinnlos ist.... Wenn schon "Bedingungslos" dann effektiv ohne Bedinigungen....

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von ZH-thai-fun » Mi 6. Jun 2018, 14:03

"Maschinen und Computer nehmen Arbeitsplätze" ist ja "nur" eines der neuzeitlichen Probleme. Alle anderen bestehen schon lange. Die Fairste Einfachste und Unkomplizierteste Lösung wäre wie schon öffters erwähnt. Trennung von Erwerbstätigen und Nichterwerbstätigen. Fertig...
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von tom » Mi 6. Jun 2018, 18:43

Ja... ich habe geschrieben dass Maschinen und Computer nur ein Teil davon sind... Andere Teile könnten sein:

- Bisher unentgeltliche Alten- und Kinderpflege in der Familie (Alte werden ins Heim geschickt, Kinder in die Kita weil beide Elternteile aus finanziellen Gründen arbeiten müssen). Dadurch hohe Kosten für Familien, Staat und Krankenkassen etc.

- Bisher Burnouts und hohe Kosten weil Menschen aus finanziellen Gründen zu viel arbeiten müssen. Dadurch hohe Kosten für Arbeitgeber und Krankenkassen etc.

- Bisher hohes finanzielles Risiko bei Realisierung innovativen Ideen.

- Bisher unentgeltliche Hausarbeit für Hausfrauen. Stattdessen Kosten für den Staat wegen Kinderabzügen, Kindergeld etc

- Bisher hohe Kosten für Sozialhilfe, Ergänzungsleistungen, IV etc für den Staat mit grossem bürokratischem Aufwand

- Bisher oft schwierige schrittweise Reduktion des Arbeitspensums im Alter aus finanziellen Gründen

- Bisher Ü50 kaum Aussicht auf Job nach Entlassung... zukünftig vielleicht einfacher da Teilzeit möglich

Dies sind einfach so ein paar Dinge die mir in den Sinn kommen beim BGE... aber ich sehe es wie Adi: es muss bedingungslos sein und es muss den Staat gegenüber heute in diversen Bereichen auch entlasten.

Gruss Tom

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von ZH-thai-fun » Mi 6. Jun 2018, 18:51

:-BD :-BD
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von Michaleo » Mi 6. Jun 2018, 20:17

Ich bin da ein bisschen kritisch eingestellt, sorry @Tom, wenn ich meine Meinung dazu kurz zusammenfasse:
tom hat geschrieben:(Alte werden ins Heim geschickt, Kinder in die Kita weil...
...sie dort professionell betreut werden. Falls diese Arbeit zurück in die Familie gedrängt wird, wird die Gewalt gegen Wehrlosen wieder zunehmen und die FaBes werden arbeitslos.
tom hat geschrieben: zu viel arbeiten müssen.
Seit ich lebe arbeiten wir immer ein bisschen weniger, dafür nehmen die kostspieligsten Freizeitbeschäftigungen zu.
tom hat geschrieben:...hohes finanzielles Risiko bei Realisierung innovativen Ideen....
Ich bin jetzt ein bisschen gemein: vielleicht ist es auch gut, wenn die Hürde hoch bleibt für gewisse innovative Ideen 555
tom hat geschrieben:Bisher unentgeltliche Hausarbeit für Hausfrauen.
Hausfrau, Tom? Was ist das? Die moderne Familie teilt sich in der Hausarbeit gleichmässig auf. Die modernen Wohnungen geben auch nicht mehr so viel zu tun wie früher.
tom hat geschrieben:Bisher hohe Kosten für Sozialhilfe, Ergänzungsleistungen, IV etc
An anderer Stelle hast Du geschrieben, dass die Schweiz im Vergleich mit Europa am wenigsten ausgibt für diese Posten. Also da noch mehr sparen ist nicht so angebracht.

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

Beitrag von tom » Mi 6. Jun 2018, 20:30

Ich schrieb "dies sind Punkte die mir in den Sinn kommen", Michu... ich bin weder Fachmann noch weiss ich, was genau sich alles realisieren lassen kann... Aber mir fällt auf, dass gerade ältere Leute wie Du (Sorry :D ) immer wieder viel skeptischer gegen neue Ideen eingestellt sind, das Gefühl haben dass Menschen bei so etwas wie dem BGE primär profitieren und nichts mehr leisten wollen... Ich sehe dies ganz anders, ich bin wirklich der festen Ueberzeugung das die Spezies Mensch, wenn sie eine gewisse finanzielle Absicherung hat um die sie nicht immer kämpfen muss, sehr viele gute Ideen und Enthusiasmus entwickeln wird. Wir haben so viel Luft nach oben bei innovativen Dingen... Aber viele haben einfach Angst vor Neuerungen in einem solchen Ausmass. Weil sie offensichtlich das Gefühl haben, die Menschen würden so etwas nur ausnutzen. Aber ich denke diese Leuten unterschätzen den Mensch...
Michaleo hat geschrieben:...sie dort professionell betreut werden. Falls diese Arbeit zurück in die Familie gedrängt wird, wird die Gewalt gegen Wehrlosen wieder zunehmen und die FaBes werden arbeitslos.
Natürlich, es wird auch zukünftig Menschen geben, die professionell betreut werden müssen. Auch zukünftig wird es Menschen geben, welche durch die eigene Familie nicht betreut werden können. Aber vielleicht sind es ja auch nur 50% die nicht so früh in ein Heim müssen, die möglichst lange zuhause leben können und gegebenenfalls 4-5 x pro Woche von einem Familienmitglied für ein paar Stunden betreut werden? Familienmitglieder die dank dem BGE sagen ich kann mir die 90 Minuten Anfahrtsweg und Rückweg leisten, da ich nur 50% arbeiten muss? Wer weiss... Man muss nicht alles bis ins Detail hinterfragen.
Michaleo hat geschrieben:Seit ich lebe arbeiten wir immer ein bisschen weniger, dafür nehmen die kostspieligsten Freizeitbeschäftigungen zu.
Echt jetzt? Ich kenne nichts anderes als die 42-Stundenwoche... Aber erst seit ein paar Jahren dass ich laufend auch noch samstags und spät am Abend etwas für den Arbeitgeber mache... unbezahlt...
Michaleo hat geschrieben:Ich bin jetzt ein bisschen gemein: vielleicht ist es auch gut, wenn die Hürde hoch bleibt für gewisse innovative Ideen 555
Sicher.... aber schon nur 10% Realisierung innovativer Ideen wäre ein Gewinn.
Michaleo hat geschrieben:Hausfrau, Tom? Was ist das? Die moderne Familie teilt sich in der Hausarbeit gleichmässig auf. Die modernen Wohnungen geben auch nicht mehr so viel zu tun wie früher.
Ich weiss nicht, Michu... dies mag bei uns vielleicht so sein... Ich sehe in der engen Nachbarschaft immer noch primär arbeitende Männer und hausarbeitende Frauen, die den Haushalt, die Wäsche, das Kochen etc. für die 5-köpfige Familie in Frohnarbeit erledigen...

Doch wie auch immer... das BGE ist natürlich noch in weiter Ferne. Aber ich finde es, insbesondere für unsere nachfolgende Generation, sehr wichtig dass langsam aber sicher ernsthaft darüber diskutiert wird.

Gruss Tom

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