Bedingungslose Grundeinkommen

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thedi
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

#161

Beitrag von thedi » Do 6. Dez 2018, 01:11

tom hat geschrieben:
Mi 5. Dez 2018, 07:51
...ein Crowdfounding kann nicht die Lösung sein um ein BGE zu testen. Welcher Private oder welcher Firmenchef soll denn daran interessiert sein Millionen in so ein Projekt zu stecken?
Die Initianten gingen davon aus, dass viele der JA-Stimmer je 20 CHF spenden würden. Dann hätte es gereicht - war ihre Schätzung.

Es zeigte sich dann einerseits, dass die Schätzung der Kosten nach oben korrigiert werden musste und anderseits, dass nur wenige JA-Stimmer bereit waren ihr 20-er Nötli an diesen Versuch beizutragen.

Sie konnten 2.5% des benötigten Kapitals beschaffen. Ganz egal wieso und warum - es zeigt für mich wie seriös die Planung des Experiments war. Mit entsprechender Vorsicht werden nun wohl weitere Vorschläge von diesem Gremium geprüft.

Trotzdem finde ich den Titel des Gemeindepräsidenten passend: er hat bei der Abstimmung gegen ein BGE gestimmt, aber anderseits begrüsste er die Aufmerksamkeit die seine Gemeinde durch das Projekt bekam. Doppelter Gewinn aus seiner Sicht, kann man da nur sagen. Na endlich: we got an winner.


Mit freundlichen Grüssen

Thedi

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tom
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

#162

Beitrag von tom » Di 11. Dez 2018, 18:53

Heute kam ein neuer Newsletter.

@Thedi: ist auch interessant zu lesen!
Dein Grundeinkommen

Hei!

Das Crowdfunding für das Grundeinkommens-Experiment in Rheinau von der Initiantin Rebecca Panian ist deutlich gescheitert. Wir waren gestern an der Gemeindeversammlung vor Ort. Ob und wie es mit dem Projekt weiter geht und was wir alle daraus lernen können, findet ihr in diesem Newsletter.

Die Initiantin und ihr Team teilen in der vorerst letzen Medienmitteilung mit, dass sie es nicht geschafft haben, genügend Menschen ausserhalb von Rheinau zu mobilisieren und ihnen zu vermitteln, dass ein solches Experiment Erkenntnisse für uns alle liefern könnte. Da es gemäss Initianten für sie keineswegs aussichtslos war, das geplante einjährige Grundeinkommens-Experiment mittels Crowdfunding zu finanzieren, wurde es gewagt, die 6,2 Mio. Schweizerfranken innert 50 Tage zu sammeln.

Bild

An der gestrigen Gemeindeversammlung haben sich ca. 50 Menschen in der Mehrzweckhalle in Rheinau eingefunden. Die Stimmung war gut und die Leute wurden beim Eingang gebeten, entweder durch den mit dem Schild HALT markierten Eingang, oder durch den Eingang mit der Aufschrift WEITER in den Gemeindesaal einzutreten. Fast alle Dorfbewohner:innen und Anwesende sind durch den mit WEITER markierten Eingang geschritten.

Nach einer kurzen Einführung wurde den Dorfbewohner:innen das Wort überlassen. Es haben sich sehr viele Bürger:innen gemeldet mit Voten, warum das Projekt unbedingt weitergeführt werden sollte, was bis jetzt schon erreicht wurde, welchen Mehrwert es im Dorf ausgelöst hat und warum es ihrer Meinung nach kein Misserfolg war. Etwas nüchterner formulierte es der anwesende Gemeindepräsident Andreas Jenni: «Das Projekt ist in diesem Sinne an der Finanzierung gescheitert und für mich somit beendet».

Auch das Fazit der Initiantin Rebecca ist klar und deutlich: «Wir haben es nicht geschafft, das nötige Geld zu sammeln. Von scheitern wolle sie aber nicht reden». An medialer Aufmerksamkeit hat es nicht gefehlt, darüber waren sich alle einig. Auch den Berichten von befreundeten Organisationen zufolge, wie der anwesenden Rheintaler bGE-Gruppe vertreten durch Markus Härtl, war das Interesse gross und reichte weit über die Landesgrenzen hinaus. Doch warum führte diese mediale Präsenz nicht dazu, mehr als 1200 Menschen zu erreichen und sie zu bewegen, einen Beitrag zu spenden? Die Meinungen gingen auseinander. Einige Stimmen meinten, es wurde auf Social Media und anderen Kanälen einfach zu wenig Präsenz gezeigt. Andere waren sich sicher, dass das Design des Experiments falsch aufgesetzt, zu wenig durchdacht und ungenau formuliert worden sei. Wieder andere meinten, die Zeit für das ganze Projekt war einfach zu knapp.

Bild
Puls fühlen: Dorfbewohner in der Mehrzweckhalle Rheinau (10. Dezember 2018)

Nach einem Rückblick auf die Anmeldungen und einer kurzen Präsentation der Zahlen wurde deutlich, Rheinau hätte eine Mini-Schweiz repräsentiert und wäre daher für ein solches Experiment perfekt gewesen.

Immer noch lag die Frage im Raum: wie weiter? Eine Dorfbewohnerin drängte und wollte nun endlich wissen wie's weiter gehen soll.

Bild
Zahlen im Vergleich: Altersverteilung Rheinau vs. Schweizer Bevölkerung.

Trotz guter Stimmung und regem Austausch verblieb eine gewisse Ernüchterung im Raum, insbesondere über das weitere Vorgehen. Initiantin Rebecca Panian präsentierte zum Schluss kurz, dass es nun sicher eine Pause und ein «neu sortieren» bräuchte, und falls es weiter gehen sollte, müssten folgende Punkte geklärt und neu aufgegleist werden:
Neue Kampagne mit mehr Zeit zur Planung
Startkapital und Kampagnenbudget (min. 50'000 CHF)
Neues Team aufbauen inklusive einem fixen Kernteam aus dem Dorf
Neue Strategie um das benötigte Geld zu sammeln. Es wird vorgeschlagen ein Grossteil des benötigten Geldes (ca. 3 - 4 Mio.) im Vorfeld von Stiftungen und einzelnen Grossgönner:innen zu sammeln, um danach bloss noch eine Teilsumme via Crowd finanzieren zu müssen.
Zum Schluss blieb offen, ob und wie dieses Projekt weitergeführt wird. Eine grosse Mehrheit der Anwesenden sprach sich deutlich für ein WEITER aus. Eine Frau bekräftigt das mit «Das ist doch erst der Anfang gewesen!».
Mit diesem zivilgesellschaftlichen Ansatz wurde ein weiterer Schritt gewagt um in der Bevölkerung mehr Verständnis, Akzeptanz und vor allem Auseinandersetzung mit dem Thema zu bewirken. Dies und vor allem die vielen anregenden Gespräche und Diskussionen im Dorf zeigen deutlich, dass das Thema alles andere als vom Tisch ist.

Trotz gescheiterter Finanzierung hat das Projekt die Debatte um ein bedingungsloses Grundeinkommen wieder aufleben lassen und wir möchten dem Team, Rebecca Panian, dem Gemeinderat und der ganzen Dorfbevölkerung von Rheinau herzlich danken für ihr Engagement und Mut.

BildKleiner Blocher Scherz zum Schluss: Antwortmail von Christoph Blocher auf die Anfrage eines Dorfbewohners das Projekt zu unterstützen.

Bei Interesse oder Anregungen bitten wir euch direkt bei dem Projektteam unter info@dorftestetzukunft.ch zu melden.



Voller Tatendrang,
Silvan, Irina, Ralph, Meret, Manu
Gruss Tom

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

#163

Beitrag von thedi » Mi 12. Dez 2018, 01:26

Interessant!

Ich lese daraus zwei Dinge:
  • Die Aufmerksamkeit in den Medien war erfreulich gross - das können die Organisatoren durchaus als Erfolg buchen.
  • Im Dorf Rheinau ist das Interesse jedoch stark zurück gegangen. Vorher - als man noch auf Geld hoffen konnte - kamen jeweils 600+ Personen. Jetzt - wo es noch um eine Bilanz des Experiments ging - nur noch gut 50. Diese 50 Getreuen möchten weiterhin ein BGE bekommen und hoffen auf ... was? Da ist jetzt nichts konkretes mehr in Sicht - aber es muss doch einfach...

Zudem stellt sich für mich eine Frage, die in diesem Artikel nur als lustiger Beitrag vom bösen-dummen Blocher tangiert wurde:

Diskutiert werden könnte nun auch, warum das zeitlich begrenzte Klein-Experiment mit rund 1000 Teilnehmern 6 Mio CHF Aussenfinanzierung benötigt hätte. Inwiefern würde das in einem grösseren Massstab auch gelten?


Aus aktueller Sicht finde ich es positiv, dass in Rheinau jetzt keine gelbe Westen auf der Strasse auftauchen. Das zeigt für mich, dass in der Schweiz immer noch die Vernunft herrscht.


Mit freundlichen Grüssen

Thedi

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

#164

Beitrag von tom » Sa 9. Feb 2019, 19:03

Wieder einmal eine Auswertung eines Versuchs:

https://www.derbund.ch/wirtschaft/bedin ... y/22467317

Gruss Tom

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

#165

Beitrag von thedi » So 10. Feb 2019, 01:26

Interessant finde ich auch die Kommentare zu diesem Artikel. Einen möchte ich Euch nicht vorenthalten:
Wenn ich die meisten Meinungen dazu höre schäme ich mich immer mehr in dieser Zeit und zu dieser Menschheit gehören zu müssen!!!
In Typ 2 und Typ 3 Zivilisationen ist ein bedingungsloses Grundeinkommen Standard. Jedoch auch freie Energie und Produkte unterliegen praktisch keinen Abschreibungen weil die Technologie welche bei uns verheimlicht wird und zugunsten des Profits und Manipulation den Massen taktisch zur Verfügung gestellt wird sodass immer wieder gekauft werden muss!
Das Ziel der Menschheit ist deren Entwicklung und Aufstieg zur Typ2 Zivilisation aber die Meinungen der Leute zeigen jeden Tag dass wir soweit davon entfernt sind wie ein Baby vom Uniabschluss. Der kollektive Geist von 80% der Menschen ist einfach nur zu bemitleiden. Gier und Neid selbst unter der eigenen Ethnie!
Bisher hatte ich noch nie von den Typ 2 und 3 Zivilsationen gehört. Irgend wie erinnert mich das an "Begegnungen der dritten Art" mit UFO's, die mal vor vielen Jahren Kino Sääle füllten. So bemitleidenswert bin ich. :))


Mit freundlichen Grüssen

Thedi

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

#166

Beitrag von drfred » So 10. Feb 2019, 03:13

thedi hat geschrieben:
So 10. Feb 2019, 01:26
Interessant finde ich auch die Kommentare...
wenn du dich mit den kommentaren einlässt, veränderst du nicht die kommentare. die kommentare verändern dich.


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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

#167

Beitrag von Werner » So 10. Feb 2019, 18:25

Sie sind in Deutschland gerade daran die ersten Schritte zu machen. Sie wollen die Rente auf 990 Euro erhöhen, und zwar für Menschen, die 35 Jahre gearbeitet haben. Das ist korrekt und gut.
Sie tricksen auch wieder um diese üppigen großzügigen fast schon luxeriösen 990 Euro einem Teil der Rentner vorzuenthalten. Sie haben eine Art Formel geschaffen die einigen Rentnern trotz 45 Jahre als Lagerarbeiter diese 990 Euro zu verwehren, bzw herunter zu rechnen, im Beispiel hatte der Renter aufgrund minimaler Bezahlung nur etwa 450 Euro Rente und die wurde auf etwa 780 Euro aufgestockt, also einfach zu wenig und eine Frechheit.

Und nicht alle schaffen 35 Jahre Rentenversicherungspflichtige Beschäftigung, z. B. viele die ein paar Jahre selbstständig waren. Also da gibt es trotzdem noch Bürger die ihr ganzes Leben hier gelebt und gearbeitet haben und denen dies trotzdem nicht zusteht.

Aber heute sagte jemand etwas von Bürgergeld statt Harz 4 oder Sozialhilfe. So schaffen sie es vielleicht noch dass nicht all zu viele Bürger sauer darauf sind, dass viele hier Eingereiste mehr Stütze als die bedürftigen Bürger und Rentner erhält.

Man kann noch Hoffnung haben.

W.

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

#168

Beitrag von tom » So 10. Feb 2019, 19:02

Werner hat geschrieben:Sie wollen die Rente auf 990 Euro erhöhen, und zwar für Menschen, die 35 Jahre gearbeitet haben. Das ist korrekt und gut.
Einfach mal eine Zwischenfrage zum Verständnis, weil ich es nicht kenne... Was wird nebst der Rente in Deutschland alles vom Staat übernommen? Ich meine von 35 Euro am Tag kann ja niemand überleben. In der Schweiz ist zwar die Rente höher, aber man muss auch alles selber bezahlen. Von Wohnung über Krankenkasse zu Zahnarzt, Essen... einfach alles. Was genau ist in Deutschland alles geregelt?

Gruss Tom


Werner
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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

#169

Beitrag von Werner » Mo 11. Feb 2019, 00:06

tom hat geschrieben:
So 10. Feb 2019, 19:02
Werner hat geschrieben:Sie wollen die Rente auf 990 Euro erhöhen, und zwar für Menschen, die 35 Jahre gearbeitet haben. Das ist korrekt und gut.
Einfach mal eine Zwischenfrage zum Verständnis, weil ich es nicht kenne... Was wird nebst der Rente in Deutschland alles vom Staat übernommen? Ich meine von 35 Euro am Tag kann ja niemand überleben. In der Schweiz ist zwar die Rente höher, aber man muss auch alles selber bezahlen. Von Wohnung über Krankenkasse zu Zahnarzt, Essen... einfach alles. Was genau ist in Deutschland alles geregelt?

Gruss Tom
Haha. Tom. Es sind 32 Euro am Tag, nicht 35 Euro. Und ja, man muss alles selber zahlten. Alles was man zum Leben benötigt. Man zahlt seine Miete selber, seine Nebenkosten selber, die Versicherungen selber, sein Essen selber, den ÖPNV selber, und die lockeren 19% MwSt auf alles außer Nahrungsmittel selber, da sind es nur 7%. Und wohin die Steuern wandern kommt weiter unten im Text.

Von der Rente von 990 Euro werden erst einmal 7,3 % für die "gesetzliche Krankenversicherung" abgezogen, 72,27 weniger, macht also 917,73 Euro Überweisung auf das Konto. (das ist vielen Banken zu wenig die gerne 10 Euro Gebühr im Monat abziehen und diese erst bei monatlichen Eingängen über 1500 Euro erlassen)

Man ist in der Krankenversicherung der Rentner versichert. Die funktioniert so, dass man in seiner Gesetzlichen Rentenversicherung bleibt, also AOK, Barmer, Techniker, InnungsKK oder so und diese 14,6% der Rente als Beitrag erhält von dem der Renter die Hälfte übernimmt, die andere Hälfte kommt von der Rentenkasse.
Also unser Beispiel: 990 Euro Rente, 72,27 Euro Krankenversicherung werden für die KV abgezogen, die Rentenkasse packt noch einmal 72,27 Euro drauf und sendet 144,54 Euro zu einer "gesetzlichen Krankenkasse. Diese zahlt dann die Krankenkosten, z. B. einen Rollator für meinen Vater der aber noch 10 % von dem Ding, 6,90 Euro bar hinzu zahlen muss. Und weil diese 144,54 Euro vielleicht nicht für den Einzelnen reichen werden die Einzahlungen aller Gesetzlich Versicherten für die Krankheitskosten derjenigen verwandt die es nötig haben, also ich zahle als junger oder gesunder Mensch mehr ein als ich für meine Arztrechnungen brauche. Ich persönlich zahle derzeit 347,12 Euro im Monat, den absoluten Höchstbetrag den man zahlen kann bei 80.400 Euro zu versteuerndem Einkommen, zuzüglich Arbeitgeberanteil gehen monatlich 694,24 Euro an die Krankenkasse. Mein Mehrbeitrag wird dann für die Kranke genutzt die es nötig haben, junge Krebskranke, Rentner, usw. Das nennt man in Deutschland das Solidarprinzip. Die Arztkosten inkl. Zahnarzt werden von der Krankenkasse übernommen. Leider keine schön weiß verblendeten Kronen, da übernimmt die Kasse einen Anteil der "Standardversorgung" z. B. 150 Euro, aber eine Krone mit weißer Vollverblendung kostet etwa 600 Euro. Der Rentner hat dann eine Problem. Ich persönlich habe eine private Zusatzversicherung für Zahlbehandlung, die mich 40 Euro im Monat kostet und solches übernimmt.

Unser 990 Euro Rentern hat also gerade die Krankenversicherung abgezogen bekommen noch 917,73 Euro zum Leben.

Bei meiner Miete von 870 Euro zuzüglich etwa 130 Gas und Strom würde ich mit so einer Rente nicht wirklich klar kommen. ich müsste mich also einrichten und eine billige kleine Wohnung suchen oder Mietzuschuss beantragen oder eine Freundin einziehen lassen oder so.

Unser 990 Euro Renter hat wenn er Glück hat eine Wohnung für 500 Euro, da bleiben also noch 417 Euro für Essen usw usw. Das ist verdammt knapp.

Aber vielen geht es derzeit trotzdem recht gut. Z. B. meine Eltern haben wie viele in den Sechzigern ein Haus gebaut und alle Kredite ab gezahlt. Sie benötigen statt 870 Euro Miete nur etwa 200 Euro für Grundsteuer und Rücklage für Reparaturen. Damit stehen sie deutlich besser da und kommen mit ihren 1.700 Euro Rente soweit recht gut klar. Sie haben noch einen alten VW Vento und leben sparsam und recht zufrieden.

- - - -

Aber wir sind ja alle sehr froh, dass wir wenigstens unsere Beamten wohligst versorgt wissen. Ein halbwegs fähiger Lehrer ohne irgendwelche Verantwortung im Berufsleben genießt ca. 3.000 Euro Pension zuzüglich eines staatlichen Zuschusses zur privaten Krankenbehandlung von 70 %. Er muss etwa 150 Euro im Monat für seine private KV für die nicht übernommen 30 % Kosten aufwenden und er muss alle Arztrechnungen im Voraus zahlen und einreichen bevor diese dann meist zu 100 % erstattet werden, welch ein Drama von dem jeder gerne ausführlich berichtet. Echt ein hartes Leben für die armen Menschen. Und wenn sie Reparaturen am Haus machen können sie diese von der Steuer absetzen und erhalten nur etwa 15 bis 43 % der Kosten zurück erstattet, müssen dafür aber die Rechnungen einreichen und Formulare für das Finanzamt ausfüllen.

Der gemeine Rentner hingegen ist von solchem Formularkram und auch von der Rückvergütung durch das Finanzamt befreit und kann seinen Lebensabend in vollen Zügen genießen und sein Geld, Maximalrente ist 2.200 Euro spendabel ausgeben. Er spart unglaublich viel Energie und Zeit wenn er Reparaturen am Haus einfach aussitzt, ist doch egal ob es tropft oder der Zaun verrottet. Man stirbt ja eh bald.

Der ehemalige Beamte, heute Pensionär kann sich dann auch eine Ehefrau aus Thailand leisten, die nach seinem Ableben mit lächerlichen 2.100 Euro Witwenpension zuzüglich Beihilfe von 70 % aller Krankenkosten bei weltweit Auszahlung abgespeist wird.

Dies bleibt dem Rentner erspart weil seine "gesetzliche Krankenversicherung" eh nicht in Thailand zahlt und die Witwenpension nicht der Rede wert ist. Die Thai Ehefrau kann sich nach dem Ableben wieder voll auf ihre Erwerbstätigkeit in Thailand konzentrieren.

- - - -

Sorry, muss gerade mal kotzen gehen, weil ich mit meinen Steuern ausschließlich die Beamten und Pensionäre versorge und meine Eltern, beider Rentner nichts davon haben. Sie haben für jeden Cent den sie jetzt erhalten üppig in Versicherungen eingezahlt wie ich auch. Und sie müssen es erdulden, dass die derzeitige Regierung und die Medien die Rentner als die Schuldigen an den kommenden Problemen und Krisen hin stellt, die die jungen Menschen ausnehmen und für deren Unglück maßgeblich verantwortlich sind.

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Re: Bedingungslose Grundeinkommen

#170

Beitrag von Bruninho » Mo 11. Feb 2019, 05:50

In der Schweiz gibt es für Personen, die ausschliesslich von der Rente (AHV) leben müssten, noch die Ergänzungsleistungen.
Damit kann man heute noch relativ sorgenfrei leben.

In Deutschland, wo eine grosse Bevölkerungsschicht eine beschämende Rente erhält, gibt es noch Grundsicherung, die auf ein Minimum aufstockt, welches kein sorgenfreies Leben ermöglicht.

Ich halte Altersarmut in Deutschland für eines der grössten (Zukunfts-)Probleme des Landes.

Allen, die mit der Materie nicht so betraut sind, rate ich einmal auf Youtube Altersarmut einzugeben, und sich einige der dort gespeicherten, unzähligen Dokus zum Thema anzusehen...

:wai:

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