Wahlen und Abstimmungen

Re: Wahlen und Abstimmungen

Beitragvon tom » Sa 9. Jun 2018, 15:11

Diese Initiative ist für mich persönlich so nicht durchblickbar, dass ich einen leeren Stimmzettel abgegeben habe. Ich habe viel versucht herauszufinden was dafür spricht, was dagegen spricht. Die NZZ hat mal zusammenfassend geschrieben:

Das sind die Argumente der Befürworter
Die Initiative macht den Finanzsektor stabiler. Da Zahlungsverkehrskonti zu 100 Prozent durch Notenbankgeld gedeckt sind, müssen Kunden in einer Krise keine Angst mehr haben und nicht mehr die Bankschalter stürmen. Die schuldfreie Geldschöpfung durch die Nationalbank bringt zudem dem Fiskus oder den Bürgern jährlich Zusatzerträge von 5 bis 10 Milliarden Franken. Der Übergang vom alten zum neuen System verspricht weitere Gewinne für den Fiskus von insgesamt etwa 300 Milliarden Franken. Damit kann der Staat viele Ausgaben finanzieren und Steuern senken.


Das sind die Argumente der Gegner
Die Initiative macht das Finanzsystem kaum stabiler. Am globalen System ändert sie ohnehin nichts, aber auch für die Schweiz ist die Initiative nicht zielgerichtet. Auch in einem Vollgeldsystem hätte es die UBS-Krise 2008 gegeben, und der Staat hätte die Grossbank gerettet. Die Politik hat auf die Krise reagiert mit einer Verschärfung der Kapitalregeln für die Grossbanken und einer Ausweitung der Versicherung für Bankeinlagen. Das Versprechen der Initianten von Milliardengewinnen für Staat und Bürger ist zudem ein Buchhaltertrick. Es werden keine Milliarden von Himmel fallen. Die Initiative schafft kein neues Volksvermögen, sondern verteilt dieses nur um. Als Folge der Initiative würde die Kreditversorgung in der Schweiz geschwächt, die Notenbank geriete als Geldverteilerin der Nation unter starken politischen Druck, die Gebühren für Bankkonti würden steigen, und die Geldpolitik würde erschwert.


Irgendwann gab ich es dann auf den Durchblick finden zu wollen. Eigentlich ist dies sehr schlecht, denn das Thema wäre grundsätzlich ja ein sehr wichtiges. Aber es ist einfach zu kompliziert wenn man im Finanzwesen nicht wirklich einen guten Durchblick hat.

@Colo: Du verstehst ja etwas mehr davon, auch wenn wir nicht immer die selben Meinung haben würde es mich wunder nehmen.... Welche Auswirkungen hätte eine Annahme der Initiative für die Schweiz weltweit gesehen, wenn ihr Finanzwesen als einziges Land ganz anders aufgestellt wäre als in allen anderen Ländern?

Gruss Tom
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Beitragvon Colothani » Sa 9. Jun 2018, 16:54

wenn "Ja"....
...würde das der SNB die Handhabung erschweren/verändern, um den Frankenkurs (die Aufwertung ) zu halten, bzw.. zu bekämpfen, da das von der SNB ausgegebene Geld "Schuldenfrei" sein muss.
Die SNB muss ihre Bilanz verkleinern, dies wird Auswirkungen auf die europäischen Anleihemärkte haben.

Vorteil: Die Staat Schweiz muss mit dem Geld auskommen was sie an Steuern einnehmen werden und die Zinsen bleiben im Land -die dafür bezahlt werden an die SNB, die die Vorfinanzierung geleistet hat. (keine Privatbank mehr nötig), heisst im Prinzip;
Die Nationalbank stellt Kostenlos Geld zur Verfügung, jedes Jahr entsprechend der Wirtschaftsleisrung/Steigerung.
Wenn der Regierung das nicht reicht, muss sie eben sparen, oder eben ihre Strukturen ändern. Sie hat also keine Möglichkeit mehr sich beliebig irgendwo zu verschulden und damit Zinsen an Private Banken abzuleisten, die von den Steuerzahlern zu erbringen sind.

Aber es ist sowieso spekulativ darüber zu schreiben....die Erfahrung zeigt, dass die Stimmzettel-Auszählung eh eine Ablehnung aufzeigen werden. Der Stimmbürger wird auch hier wieder gegen seine eigenen Interessen agieren wie bei der Goldiniatitive mit über 70% Nein.

Das Geld-wesen an und für sich ist nicht kompliziert, wird aber unter einem Nebelschleier verborgen.
Geld definiert sich nicht aus der Produktion einer Ware, sondern einzig und allein dadurch, dass es per Zentral-Macht zur Abgabe (gesetzliches Zahlungsmittel) erklärt wird. Daraus heraus geht "Schuldschein (Bankschein), Kreditgeld und Warengeld".

Alles Geld ist eine aus Schuld-Verhältnis begründete Forderung.
Wenn ein Schuldverhältnis erfüllt wurde, dann ist das damit erzeugte Geld nicht mehr vorhanden.
Dein Geld (Spar/EInlage) auf der Bank ist ein Kredit an diese -und bei einer Auszahlung an dich stellst du wiederum eine Forderung an die Bank -dieses Schuldverhältnis ihrerseits aufzulösen. Kann sie dies nicht, bist du auch Pleite. Deshalb auch das angestrebte Bargeldverbot, weil sie müssen "Zeigen'....wie beim Poker B-)

So, dies ist natürlich nur eine Schnellbleiche, aber das Prinzip ist klar: Kettenbrief-Schneeballsystem und Ponzi-Spiel, oder noch klarer: Knechtschaft durch den Schuldkult(Konzept) die mit der Herrschaft gemeinsam mit dem Tempelwesen (Religion/Glauben) einher geht.
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Re:

Beitragvon Endy » So 10. Jun 2018, 13:08

Colothani hat geschrieben:Knechtschaft durch den Schuldkult(Konzept)


Meine Worte.
“Es gibt keine raffiniertere Übertreibung als das Understatement.”
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Vollgeld-Initiative

Beitragvon Colothani » So 10. Jun 2018, 18:34

Nein zum Geldmonopol für die Nationalbank

1'379'500 Stimmberechtigte legten ein NEIN in die Urne = 75,7%
442'400 stimmten JA = 24,3%.
Die Stimmbeteiligung lag bei 34 %
Die Initiative wurde von allen Ständen abgelehnt.

Bild

Erinnerung:
Nein zur «Gold-Initiative» Goldanteil SNB Aktiva von mindestens 20% ...am 30. November 2014

1'973'558 Stimmberechtigte legten ein NEIN in die Urne = 77.3%
580'815 stimmten JA = 22.7%
Die Stimmbeteiligung betrug 48,7 %.
Die Initiative wurde von allen Ständen abgelehnt.
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Re: Wahlen und Abstimmungen

Beitragvon tom » So 10. Jun 2018, 18:38

Colothani hat geschrieben:Die Stimmbeteiligung lag bei 34 %


Dies zeigt mir dass ich nicht der einzige war, der mit dieser Abstimmung überfordert war...

Gruss Tom
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Re: Wahlen und Abstimmungen

Beitragvon thedi » Mo 11. Jun 2018, 02:05

tom hat geschrieben:Stimmbeteiligung lag bei 34 %
Dies zeigt mir dass ich nicht der einzige war, der mit dieser Abstimmung überfordert war...

Hoffen wir, dass die 34%, welche ihre Stimme abgaben, die Vorlage verstanden und nicht einfach aus einem Pflichtgefühl JA oder NEIN zu etwas sagten, das sie selbst nicht beurteilen können.

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

---

Diese tiefen Stimmbeteiligungen und noch schlimmer, diejenigen die einfach ein JA oder NEIN einer Empfehlung folgend einlegen, werden oft als Argument gegen die direkte Demokratie herbei gezogen.

Ich sehe das anders. Bei der direkten Demokratie werden Entscheide nicht 'besser'. Sie sind dann aber vom Volk abgesegnet - wobei eine Stimmenthaltung durchaus vernünftig sein kann: man sagt damit: "macht was ihr wollt, ich kann mit JA oder NEIN leben". Der grosse Vorteil der direkten Demokratie liegt darin, dass die Politiker damit entlastet werden. Die Stimmung, wie man sie bei Deutschen oft sieht "die das oben" ist in der Schweiz daher weniger ausgeprägt.

Zudem behaupte ich, dass Parlamentarier bei vielen Vorlagen auch nicht durchblicken - es interessiert sie scheinbar nicht und der Aufwand sich in die Materie einzuarbeiten ist ihnen zu mühsam. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an eine Vorlage, die Schweizer Banken zwingen sollte Auslandschweizern ein Konto zu gleichen Bedingungen wie Schweizern in der Schweiz anzubieten. Innert 2 Wochen kam die praktisch gleichlautende Vorlage von zwei verschiedenen Seiten vor den Nationalrat. Das erste mal wurde sie fast einstimmig abgelehnt, das zweit mal fast einstimmig angenommen. In der Zwischenzeit ist nichts passiert, das einen solchen Meinungsumschwung begründen hätte. Der einzige für mich ersichtliche Unterschied lag darin, dass dieselbe Vorlage von zwei verschiedenen Parteien eingebracht wurde. Auch im Parlament gibt es Zufallsentscheide - sie sind nicht unbedingt besser als Volksentscheide.


Mit freundlichen Grüssen

Thedi
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Re: Wahlen und Abstimmungen

Beitragvon ZH-thai-fun » Mo 11. Jun 2018, 11:55

Ich stimme nun bald 54Jahre. Irgend aus einem ein Pflichtgefühl heraus wegen meinem Vater der Stimmenzähler war!? Und wusste oft nicht was ich stimmen sollte!?

Aber es stimmt immer noch was mein Vater damals immer sagte! "Die Schweizer stimmen pragmatisch, bünzelig und hinterwäldlerisch ab, aber weil sie fleißig und keine Schwätzer sind werden sie damit immer irgendwie vorwärts kommen".

Also ich machte mir je älter je weniger Sorgen um die Schweiz. Außer nun seit ein paar Jahren wegen den Populis Weltweit, dass ist falscher- Egoismus!? L-)

Das kommt aus einem Bauchgefühl heraus, wie die JAs oder NEINs bei Unsicherheit der Stimmvorlagen. Für mich ist das auch echt Schweizerisch ... ;)

Ich habe bei Spielgesetz Nein gestimmt weil ich dachte die Jugend muss mal damit und dem "Netz" Leben.
Zu Vollgeld habe ich nein gestimmt weil ich altbewährtes nicht eigenbrötlerisch kippen möchte.
Populismus ist die Pubertäts- Zeit der Demokratie.
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Re: Wahlen und Abstimmungen

Beitragvon Adi » Mo 11. Jun 2018, 12:11

thedi hat geschrieben:Zudem behaupte ich, dass Parlamentarier bei vielen Vorlagen auch nicht durchblicken - es interessiert sie scheinbar nicht und der Aufwand sich in die Materie einzuarbeiten ist ihnen zu mühsam.

Mann sollte dies nicht zu stark Verallgemeinern. Aber ist ist in der Tat so, dass die Dossierfestigkeit unserer Parlamentarier extrem unterschiedlich ist. Es gibt solche die studieren die Unterlagen praktisch nicht und andere investieren normalerweise 70 Stunden pro Woche damit die Vorlagen verstanden werden... Bei den Wahlen wird dies aber oft nicht gross berücksichtigt...


Was ich noch interessant finde ist ein Interview das ich letzter Woche von einem Polit-Analysten gelesen habe... In den letzten Jahren gab es doch grössere Veränderungen in der Politik. Früher war 1 Jahr Wahljhar und drei Jahre hat man sich auf die Sache konzentriert. Gerade in einem Wahljahr war oft der eigentliche Sachverhalt zweitrangig und das Parteibuch wichtiger... Aber es sei immer mehr aufgekommen dass gewisse Parlamentarier in einem Dauer-Wahlmodus sind...
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