In Bannasanuan angekommen war die Abschiedsfeier für den Grossvater bereits seit 1 Tag im vollen Gange. Es war vom Hauptmönch des Wats festgelegt worden, dass der Leichnam des Grossvaters infolge der hohen Temperaturen, des bevorstehenden Wochenendes und Unpässlichkeit am darauf folgenden Montag bereits am Freitag Nachmittag verbrannt werden soll.
Die ganze Familie und alle Nachbarn waren gekommen und im und ums Haus herum tummelten sich sicher an die 50-70 Personen. Ich kondolierte zuerst den betroffenen Personen in der Familie. Der Sarg mit dem Leichnam des Grossvaters wurde im Haus aufbewahrt.

Der Sarg stand dort, wo ansonsten der kleine Shop meiner Schwiegermutter ist. Rund um den Sarg herum sassen die Leute und zockten, tranken, schauten TV, hörten Musik oder sangen Karaoke. Andere wiederum lagen irgendwo in einer Ecke und versuchten zu schlafen, da es seit dem Eintritt des Todes vom Grossvater keine ruhige Minute gab und bis zur Verbrennung des Leichnams auch keine geben wird.
Für mich war es das erste Mal, in Thailand derart eng mit einem Todesfall in Berührung zu kommen. Entsprechend wusste ich oft nicht, was ich tun sollte und beobachtete etwas abseits das Geschehen und versuchte, die Hingergründe für die verschiedenen Taten der Leute zu erkennen. Es fiel mir zum Beispiel auf, dass die engsten Angehörigen keinen Alkohol tranken. Wie mir später gesagt wurde gibt es zwar kein "Gesetz" dies so zu handhaben, allerdings wäre es unangebracht, wenn die engsten Angehörigen plötzlich besoffen rumliegen würden. Zudem hatte jede einzelne Person ja auch ständig irgendetwas zu organisieren. Weiter fiel mir auf, dass ständig neu gekocht wurde und das Essen dann quasi wie in einem Take-away verkauft wurde. Es kamen Leute aus dem Dorf vorbei, sprachen kurz mit den Angehörigen, kauften sich dann etwas zu essen und bezahlten einen Betrag nach Gutdünken für das Essen. Dieses Geld wurde dann für die Unkosten der Abdankungsfeier verwendet.
Der Tag ging vorbei, es wurde Nacht, doch an Schlaf war nicht zu denken. Die Soundanlage dröhnte auf vollster Lautstärke zur DVD- oder Karaoke-Anlage. Weiterhin wurde gezockt und ich weiss nicht, wieviel Geld während dieser Nacht den Besitzer wechselte... Irgendwann während der Nacht war es dann vorbei mit DVD- oder Karaoke-Konsum und aus der Soundanlage ertönte laut ein Lied, welches fortan ständig wiederholt wurde. Es war eine schöne Melodie, welche irgendwie nie endete. Es wurde mir mitgeteilt, dass dies eine Melodie sei, welche die Seele des Verstorbenen von nun an begleiten würde und für speziell hierfür komponiert wurde.
Am nächsten Morgen kam ein Arzt des Ortsspitals vorbei und zu meiner Ueberraschung wurde von ihm zuhanden der direkten Angehörigen ein Betrag von 12000 Baht ausbezahlt. Grossvater hat anscheinend mit Inkrafttreten seines 50. Lebensjahr jedes Jahr einen Betrag von 500 Baht einbezahlt, welcher dann im Todesfall in Form einer Versicherungsprämie ausbezahlt wird. Grossvater wurde 76 Jahre alt und hat somit insgesamt 13000 Baht einbezahlt. Ich nehme an, dass die Differenz von 1000 Baht als "Spesen und administrative Kosten" einbehalten wurden.




